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12. Kalenderwoche

Mit freundlicher Genehmigung von

SLEIPNIR, Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik.

Sleipnir erscheint zweimonatlich im Verlag der Freunde, Andreas Röhler (V.i.S.d.P.).

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Helmut Böttiger:

Franklin Delano Roosevelt

Präsident der Wallstreet

Ein altes Sprichwort sagt: „Zeige mir Deinen Freund, und ich sage Dir, wer Du bist!" Das gilt vor allem in der Politik. Problematische Anlehnungen führen zu fragwürdigen politischen Einordnungen, wichtiger noch, sie verändern den Blick auf die politischen Realitäten und verleiten zu falschen politischen Schlüssen. Ich halte Franklin Delano Roosevelt aus vielfältiger Sicht nicht für ein geeignetes Aushängeschild unserer Politik und will das im folgenden begründen.

Zu einigen Vorurteilen

Staatsinterventionismus

Die US-Politik ist zweifellos der Schlüssel zum Verständnis des zwanzigsten Jahrhunderts. In ihr spielen die Weichenstellungen, die 1913 mit der Gründung der Federal Reserve Bank (FED) angefangen und unter Präsident Franklin D. Roosevelt (FDR) vorgenommen wurden, die entscheidende Rolle. Aber nicht erst Roosevelts Präsidentschaft nahm dem Staatsinterventionismus den Geruch des „unamerikanischen". Im Grunde hatte ihn schon FDRs Mentor Bernhard Baruch im ersten Weltkrieg eingeführt. Die Frage war nur, wer sich des Staatsinterventionismus bedienen konnte und zu welchem Zweck. Mit dem Staatsinterventionismus mußte notwendigerweise ein Mindestschutz für die „verlorenen kleinen Leute" einhergehen, um das System regierbar zu erhalten. Das war im ersten Weltkrieg versäumt worden.

Zum Beispiel gründete während der Zeiten des revolutionären Umbruchs in Deutschland nach dem verlorenen ersten Weltkrieg 1918 Hugo Stinnes mit den Gewerkschaften die Zentrale Arbeitsgemeinschaft, um das Schlimmste, eine sozialistische Revolution, zu verhindern. Ohne gewisse Zugeständnisse war das nicht zu haben. Die Folgen des inszenierten Börsenkrach von 1929 und der restriktiven Finanzpolitik der FED in den Jahren 1931 und ‘32 führten auch in den USA zu Massenverelendung und gefährdete den sozialen Frieden erheblich. Damals rissen in den USA die Hungermärsche, Demonstrationen und Streiks nicht mehr ab und drohten das soziale Gefüge aus den Angeln zu heben. Hier mußte Beruhigung geschaffen werden. Roosevelts Rhetorik und ein paar organisatorische Zugeständnisse boten dafür die billigste Lösung.

Der intervenierende Staat hatte für die Industrie die ruinöse Konkurrenz einzudämmen und Absatzmöglichkeiten zu schaffen versucht. Um das Preisgefüge möglichst hoch zu stabilisieren, wurden mit Hilfe staatlicher Stellen die Lohnkosten gedrückt. Der Staat mußte daher, um der mit seiner Hilfe herunterkonkurrierten Masse der Lohnempfänger wenigstens das Überleben zu sichern, für entsprechende Schutzmaßnahmen sorgen. Sie fielen in den USA im Vergleich zu denen anderer europäischen Staaten, vor allem der faschistischen Staaten, gering genug aus.

Gegensatz zu Teddy Roosevelt

Der Unterschied in der Außenpolitik der beiden Roosevelts liegt nicht in der Sache sondern allenfalls in der Verpackung. An die Stelle des alten direkten Imperialismus trat der neue „informelle". FDR selbst verstand sich – soweit es sein Ehrgeiz zuließ – durchaus als Erbe und Fortsetzer der Politik seines Onkels unter gewandelten weltpolitischen Bedingungen. Theodore Roosevelt, selbst schon Parteirebell, Reformer und Gründer der National Progressive Party, wollte zur Sicherung von Absatzmöglichkeiten die Vormachtstellung Amerikas mit alten imperialistischen Mitteln erreichen. Sein Neffe bediente sich dazu der in England entwickelten Methoden „short of war" – das heißt wirtschafts- und finanzpolitischer Instrumente, die seinem Onkel weniger zur Verfügung standen und erst nach Gründung der FED ausgefeilt wurden.

FDR hat seine Vorstellungen von der Weltherrschaft der Wall Street nur recht unzulänglich mit der Idee der Treuhand durch das, was dann später „Vereinte Nationen" heißen sollte, und das Konzept der „Westlichen Hemisphäre" verschleiert. Die „Westliche Hemisphäre", das heißt das Einzugsgebiet US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen wurde unter dem Vorwand der Verteidigung immer größer und umfaßte schließlich die ganze Welt – von ein paar „Gangster"Staaten abgesehen. Die Treuhänderschaft der nur zum Schein internationalisierten Institutionen unter der Hegemonie der USA sollte die Politik der „offenen Tür" durchsetzen. Offene Tür bedeutete der ungehemmte Zugriff US-amerikanischer Unternehmen auf alle Märkte und Rohstoffe, Verkehrswege und – was erst jetzt als Globalisierung realisiert wird – auf alle Arbeitskräfte der Welt. Diese US-Interessen sollten gegen die nationalen Schutzinteressen und „ohne Rücksicht auf die gegenwärtige Souveränität" der Staaten durchgesetzt werden.1 Das Treuhandkonzept rechtfertigte FDR einmal mit den bezeichnenden Worten: „Zumindest wird es noch für einige Zeit viele kleinere Kinder unter den Völkern der Welt geben, die in ihren Beziehungen zu anderen Nationen und Völkern der Vormünder bedürfen, wie es auch erwachsene Nationen oder Völker gibt, die zu einem guten Betragen zurückgeführt werden müssen".2

Das für die Nachkriegszeit geplante Treuhandsystem war eindeutig auf die wirtschaftspolitischen Vorherrschaft der USA ausgelegt. Nicht nur die Flughäfen des Treuhandgebietes mußten den US Fluggesellschaften geöffnet werden. Auch die Häfen waren zu öffnen und sogar die Flüsse, Kanäle und Eisenbahnlinien sollten internationalisiert werden. Hinzu kam der uneingeschränkte Zugang zu den Märkten und Rohstoffen der Welt unter dem Slogan „weitestgehende Zusammenarbeit aller Nationen auf wirtschaftlichem Gebiet"3 Der neue Imperialismus fand seinen Ausdruck im Bretton Woods Abkommen, das die nationale Währung der USA, den Dollar und das finanzpolitische Instrument der privaten FED, zur Grundlage aller Währungen machte und damit den anderen Ländern die Währungs- das heißt aber auch die Wirtschaftssouveränität entzog. Dazu unten mehr.

Das „informal empire" der USA unterschied sich von dem britischen Empire durch eine eigenartige Mischung aus Kontrollen internationaler Gremien, die der US-Administration mehr oder weniger unterstanden, und einer mehr und mehr zu entmachtenden nationalen Verwaltung. Ziel war es, die Grenzen so offen zu halten, daß sich die finanziellen, wirtschaftlichen, politischen, militärischen und – wenn man will – kulturell-ideologischen Interessen der neuen Supermacht ungehindert global entfalten und alle ihr entgegentretenden Widerstände hinwegfegen konnten.

FDR und die Friedenspolitik

Mit dem Wort „Frieden" und „Befriedung" bezeichneten die Imperialisten aller Zeiten die Unterwerfung anderer Völker, in deren Unabhängigkeit sie immer „eine Bedrohung" sahen. Um nicht eines blinden Anti-Amerikanismus bezichtigt zu werden, hier die belegbare Aussage des US Schriftstellers Fletscher Pratt in einer renommierten US-Zeitschrift aus dem Jahr 1938: „Eine der sonderbarsten nationalen Eigenarten von uns Amerikanern ist die Abscheu, mit der wir die Gewaltanwendung in internationalen Streitfragen betrachten, obwohl wir selber nie auch nur das geringste Zeichen von Verzicht auf solche Mittel gezeigt haben, wenn es darum ging, unsere eigenen Ziele zu erreichen ... Seit der Gründung der Republik führten wir 150 Kriege, wendeten wir im Durchschnitt fast einmal jährlich Gewalt an und nur in Zweien dieser 150 Fälle waren wir in der Defensive."4 Inzwischen sind über 180 Fälle von „Demokratie"-fördernden und „Friedens"-erhaltende Maßnahmen" durch militärische Übergriffe „des Westens" bekannt.

Das ist eine den Gewohnheiten der alten Römer entsprechende Maßnahmendichte und dürfte von keinem anderen „Schurkenstaat" der Welt annähernd erreicht worden sein.5 Diese Tatsache ist um so verwunderlicher, weil jedenfalls bis zum Sputnikstart galt, was der Amerikaner aus Liblar, Carl Schurz schon 1890 als besonderen Vorzug der USA hervorhob: „Die Lage der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat von allen Nationen der Welt einen Vorteil von unschätzbarem Wert: Das amerikanische Volk ist das einzige, das nicht in irgend einem seiner Teile von mächtigen Nachbarn bedroht wird. Das keine Rüstung zu Lande oder zu Wasser aufrechtzuerhalten braucht, das alle seine Energien produktiver Beschäftigung zuwenden kann" oder besser gesagt „könnte".

Zwar fehlt in den USA die völkisch schwärmerische Verherrlichung des Kriegerischen6, wie sie zum Beispiel in der Geschichtsromantik des hohenzollerschen deutschen Kaiserreichs gepflegt wurde (als Erbe des Mittelalters, in dem man noch wußte, daß die Fähigkeit zur Landesverteidigung die eigentliche Grundlage sowohl des Eigentums wie auch der „terms of trade" ist).7 An ihre Stelle trat in den USA die individualistisch egoistische Spielart, die aus Cowboyfilmen bekannt ist. Hierin wird das Rechts des Stärkeren, vor allem des wirtschaftlich Überlegeneren gerechtfertigt: Wer schneller zieht, hat Recht und ist der Gute. Damit verbindet sich eine besondere Härte gegen den Gegner, die aus dem US- Bürgerkrieg herrühren mag. Während die Europäer auch im unterlegenen Gegner seine Menschlichkeit und Tapferkeit ehren können, wird dies in den US-Kriegen dem Unterlegenen aberkannt, häufig sogar sein Menschsein. Den Gegner zu verteufeln, um hinter dem religiös verklärten eigenen Sendungsbewußtsein die finanzielle Gaunerei nicht durchschimmern zu lassen, wurde zwar nicht von Roosevelt erfunden, aber in seinem „diskriminierenden Kriegsbegriff" zur Doktrin erhoben. Sie fand in den Plänen zur Behandlung Nachkriegsdeutschland ihren beredten Ausdruck und lebt im Krieg gegen Vietnam oder den Irak fort.

Nach dieser Doktrin, ist jede Nation, die den „Status quo" der anglo-amerikanischen Vorherrschaft nicht bedingungslos anerkennt, eine „Gangster Nation". Die Kriegsgegner der USA werden demnach als Wesen verstanden, die dem Ungeziefer näher stehen als menschlichen Organismen und entsprechend behandelt. Der Einsatz aller militärischer Mittel einschließlich von Massenvernichtungswaffen wird damit gerechtfertigt.8 Diese Einstellung fand auch in der von Roosevelt skizzierten Charta der Vereinten Nationen mit der Feindstaatenklausel und ähnlichem einen verbalen Ausdruck.

Innenpolitik

Die gleiche Bedenkenlosigkeit im Vorgehen gegen den außenpolitischen Gegner wird seit Roosevelt auch innenpolitisch angewandt. Mit Unterstützung seiner liberalen Freunde, vor allem im neu aufkommenden Werbe- und Filmgeschäft, instrumentalisierte er die Formen, in denen sich der Massenstreik der dreißiger Jahre geäußert hatte, und funktionierte sie für seine Kampagnen um. Damit begann die Propaganda und Massenmanipulation großen Stils durch Aufmärsche, Fackelzüge und Paraden, Cheerleaders etc., die Roosevelts Wahlkämpfe und Propagandaschlachten auszeichneten und in Stalin und Hitler (Goebels) nur müde Nachahmer fanden. Hinzu kamen die unter massenpsychologischen Gesichtspunkten gezielt eingesetzte Halbwahrheit und Propagandalügen, welche die eigentlichen wirtschaftlichen und machtpolitischen Absichten hinter allerlei vorgeschobenen Idealen und frommen Wünschen verschwinden lassen. Der sozio-psychologisch gesteuerte Krieg um die Seele der Menschen bekam eine neue Dimension und „Vernunft" eine neue, andere Bedeutung.9

Ernst Jünger prägte für diese Art Propaganda 1934 den treffenden Begriff „totale Mobilmachung". Während der Monarchie ihrem Wesen nach nur zur „partiellen Mobilmachung" fähig sei, wäre die Massen- und Manipulationsdemokratie zur totalen fortgeschritten. „So konnte die Mobilmachung in den Vereinigten Staaten, einem Lande von sehr demokratischer Verfassung, mit Maßnahmen von einer Schärfe einsetzen, wie sie im Militärstaate Preußen (...) nicht möglich gewesen wäre. (...) Schon in diesem Kriege (1. WK) kam es nicht auf den Grad an, in dem ein Staat Militärstaat war oder nicht, sondern auf den Grad, in dem er zur totalen Mobilmachung befähigt war".

Zur Person

In der Funktion geht die Person nicht ganz unter, das gilt besonders im Falle FDRs. Die Familie Roosevelt geht auf erste holländische Einwanderer zurück, die noch vor der Mayflower auf einer Felseninsel in der Hudson Mündung gelandet waren und den Indianern das heutige Manhatten für Knöpfe, Schmuck und Glasperlen im Wert von 24 Thalern abgekauft haben. Väterlicherseits stammte Roosevelt von erfolgreichen New Yorker Großhändlern ab, die in Zucker, Finanzen und Eisenbahngeschäften ein Vermögen gemacht hatten. Ein naher Onkel war Direktor des Garanty Trust.

Mütterlicherseits gehörte er zu den Delanos, ebenfalls einer alteingesessenen Familie. Zu den Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung gehörte ein Vorfahre. Die Familie hatte ihr Vermögen im Chinahandel – wohl auch mit Opium – gemacht und FDRs „Lieblingsonkel"10 war Frederic Adrian Delano. Er war in zahlreichen Eisenbahngeschäften tätig, wurde 1914 von Wilson in den Aufsichtsrat der Federal Reserve Bank geholt, ab 1931 war er ihr Vorstandsvorsitzender in Richmont Virginia. Fred war auch in zahlreichen politischen Ämtern tätig, sinnigerweise übernahm er 1925 den Vorsitz im Intern. Komitee des Völkerbunds zur Opiumerzeugung. Franklin machte ihn 1934 zum Präsident des Planungsausschusses für Bergbau. Es wären noch viele einflußreiche nahe Verwandte aufzuzählen, vielleicht sollte man hier nur noch Moreau Delano erwähnen, ein Gesellschafter bei Brown Brothers & Co (ab 1933 Brown Brothers, Harriman & Co.)

Franklin selbst war Einzelkind und vor allem Sohn einer sehr ehrgeizigen Mutter (Der „mißratene" Halbbruder aus erster Ehe des Vaters wurde ihm gegenüber erst verleugnet und strikt von ihm ferngehalten). Der Ehrgeiz der Mutter prägte ihn, jedenfalls galt er in Groton, der Privatschule für die Elite Neuenglands als „verzweifelt-ehrgeizig".11 Seinen engsten Schulkameraden blieb er verbunden und holte sie später in wichtige Ämter, die bekanntesten waren Dean Acheson, Joseph Grew, Averell Harriman und Sumner Welles. Sein engster Vertrauter blieb aber der Nachbarsohn von Hyde Park, Henry Morgenthau.

In Groton bekam er das internationale Sendungsbewußtsein Amerikas und die Mittel zu seiner Durchsetzung in den Ideen Thayer Mahans vermittelt. Mit dem Seestrategen trat er später persönlich in Briefkontakt. Dies dürfte neben der großzügigen Wahlkampfunterstützung für Wilson der Grund für seine Berufung in das Amt des Vizemarineministers gewesen sein.12 Seit seinem 16. Lebensjahr verehrte und beneidete er Onkel Theodore Roosevelt, den „Freiheitskämpfer an der Spitze der Rough Riders" und späteren „Friedens"nobelpreisträger, den Parteirebell und Gründer der National Progressiv Party, der nachhaltigen Einfluß auf das Denken und Streben FDRs ausübte.13 Ähnliche Reformideen, wie sie im New Deal zum Ausdruck kamen, teilten beide Roosevelts in unterschiedlich ausgeprägter Form. Sie finden sich übrigens schon 1841 in der Schrift eines Onkels, Clinton Roosevelt, mit dem ausgesprochenen Ziel „die Produktion dem Verbrauch anzupassen".14

Die Progressive Party Theodore R. war aus der Einsicht entstanden, daß die soziale Bewegung, die sich in der Wirtschaftskrise von 1893 bis 1897 gebildet hatte, den Herrschaftsanspruch der US-Elite gefährden könnte und daher ernster genommen werden müsse, als es die beiden politischen Maschinen der Elite bis dahin taten. Die „progressiven" Eliten (die Finanzoligarchie und die Vertreter der damaligen high tech Unternehmen, also Chemie und Elektrotechnik) hatten in verschiedenen Krisen begriffen, daß bei modernen Produktionsverfahren die „Knappheit" als wesentliches Steuermittel der Marktwirtschaft entfällt und daher ersetzt werden müsse.15

Läßt sich alles im Überfluß produzieren, muß etwas anderes die Preise hoch halten. Bis dafür eine endgültige Regelung gefunden war, mußten Krieg und eine aggressive Außenhandelspolitik für die systemnötige „Knappheit" und den entsprechenden Nachfragedruck sorgen.16 Preisstabilisierende „Knappheit" läßt sich „friedlich" nur über sogenannte Monopole („Kooperation") mit politischen Mitteln durchsetzen. Dieser Politik muß, um die soziale Fabrik nicht zu gefährden, eine staatliche Absicherung gegen soziale Härten und daraus erwachsende politische Instabilität entsprechen.

Mit dem „Square Deal" nahm Theodore Absichten und m.E. auch Methoden des späteren New Deal vorweg. Faschismus, Nationalsozialismus und andere Formen des „Reform-Sozialismus" waren andere, tastende, ihrem Wesen nach aber durchaus gleichgelagerte Versuche, mit der durch die Monopolisierung einhergehenden Verschiebung des sozialen Gefüges fertig zu werden, der wachsenden Unzufriedenheit in immer breiteren Bevölkerungskreise zu begegnen und diese Unzufriedenheit zugleich für eigene politische Zwecke zu instrumentalisieren. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Vorkämpfer entsprechender korporativistischer Ideen Finanzoligarchen waren, wie: Bernhard Baruch, Paul Warburgs und Otto Kahn von Kuhn Loeb aber auch Monopolisten wie: Walter Teagle von Standard Oil, John Raskop von DuPont und General Motors, Myron C. Taylor von der US Steel Company und die Swope’s von General Electric. Sie schufen sich mit dem Brookings Institut zu diesem Zweck eine eigene Denkfabrik. Das waren auch die Leute, die FDR an die Macht geholt haben, wobei wohl wieder Wilsons Mentor Colonel House eine entscheidende Rolle gespielt hat.17

Baruch, Kahn und Thomas Lamont – ein Partner Morgans und Versicherungsmagnat, mit dem Roosevelt so eng befreundet war, daß er ihm zeitweise seine private Wohnung in New York überließ – schwärmten besonders für die Vorstellungen des Italieners Gentile, die Mussolini in Italien umsetzte. Auch wollen Gerüchte nicht verstummen, daß zu diesem Zweck sogar Hitler Geld von den Warburgs und von Standard Oil bekam, mit dem er die Parteikrise von 1932 überwinden und 1933 den Weg zur Macht finden konnte. Diese Leute spielten auch die entscheidende Rolle in Roosevelts New Deal Apparat, allen voran natürlich Bernhard Baruch.

Als 18jähriger besuchte Franklin die Law School in Harvard. Ein Schlüsselerlebnis sollte sein, daß er dort nicht in den elitären „Porcellian Club" aufgenommen wurde, in dem sich die „besten Nachwuchskräfte der US-Elite" organisierten. Das juristische Examen legte Roosevelt an der Colombia Universität in New York ab, wo er auf die Intellektuellen traf, mit denen er den New Deal durchführte. Wichtig war hierfür auch die Bekanntschaft und ab 1905 die Ehe mit Eleonore (einer sehr entfernt Verwandten, einer Nichte Teddy R. Dieser stahl als Präsident und Hochzeitsgast dem Brautpaar zeitweise die Show, was FDR ihm sehr übel genommen haben soll). Eleonore war in England als Sozialarbeiterin ausgebildet worden. Schon seit 1913 hatte FDR ein Verhältnis mit Lucy Mercer, das Eleonore ohne förmliche Scheidung akzeptierte. Lucy begleitete Franklin bis zu seinem Tod 1945, während Eleonore nach außenhin den Schein der Ehe wahrte, und in allen möglichen sozialen Bewegungen mitmischte. Lüge prägte auch sein Privatleben.

Mit seiner Hochzeit trat FDR der Anwaltsfirma Carter, Ledyard and Miburn bei. Der bis dahin völlig unpolitische FDR verriet damals schon einem überraschten Freund „Ich will Präsident werden", und soll dabei seinen Weg ins Amt schon genau vorskizziert haben – es war genau der Weg, den vor ihm Theodore R. eingeschlagen hatte – Tat FDR das etwa, weil er ganz anders dachte als Teddy?18)

Geschäfte

Senator in New York, stellvertretender Marineminister, Vizepräsident, Gouverneur, Präsident. Es ist erstaunlich, daß Roosevelts Karriere so verlief, wie er es sich als 25-jähriger erträumt haben soll. Allerdings übersieht man in diesem Zusammenhang gerne seine geschäftlichen Aktivitäten, welche die Voraussetzung dafür waren. Roosevelt war Direktor von nicht weniger als elf Firmen, deren Hauptquartier innerhalb „der Goldenen Meile der Wall Street" lagen. Präsident Hoover hatte ihn außerdem zum Präsident des „American Construction Councils" gemacht. Das war im Vorgriff auf die New Deal Institutionen eine Art freiwilliges Gesamtkartell der Bauindustrie und aller angegliederten Berufe, einer Wirtschaftsorganisation wie sie unter den Nationalsozialisten in Deutschland erfolgreich zum Tragen kam.

FDR war u.a. auch Präsident der United European Investors Ltd., deren Betriebszweck die wirtschaftliche Ausnutzung der Inflation in Deutschland war. Die Firma arbeitete wegen der günstigeren Rechtslage mit einer Kanadischen Konzession und bediente sich so zweifelhafter Figuren wie Roberts, Goulds und des Spions William Schall. Mit FDR im Vorstand saß der Deutsche John von Berenberg-Gossler, ein Direktionskollege Reichskanzlers Cuno bei der HAPAG. Cuno beschaffte als Reichskanzler während der Hyperinflation in Deutschland die Insiderinformationen, die John für FDR’s Geschäfte weiterleitete. Bei den krummen Geschäften sollen sogar die Geldgeber durch zweifelhafte Aktienschiebereien betrogen worden sein. (Über Gerichtsprozesse in dieser Sache ist mir allerdings nichts bekannt).

Mit Owen D. Young (GE) und S.R. Berton (von Berton, Griscom & Co.) gründete FDR die „American Investigation Company" zur gewinnbringenden Ausbeutung im 1. Weltkrieg beschlagnahmter deutscher Patente. FDR war eigens wegen seiner guten Behördenkontakte (insbesondere zur Allien Property Custodian) ins Boot geholt worden. Es gelang ihm auch, an der vorgeschriebenen öffentlichen Ausschreibung vorbei u.a. die Weltpatente zur Erzeugung von Helium für die Luftschiffahrt zu ergattern. Die Patente hielt damals die noch deutsche Schütte Lanz GmbH (Später John Deere). FDR schaffte es auch, diese Patente und entsprechende Grundstücke auf Kosten der US-Steuerzahler mit sattem Gewinn an die Marine wieder weiterzuverkaufen.

Diese Geschäfte FDRs waren eigentlich eine Art Nebenbeschäftigung. Wirklich gearbeitet hat er wohl in der Funktion des Vizepräsidenten der Versicherungsgesellschaft Fidelity & Deposit Company of Maryland und als Direktor ihrer Niederlassung in New York am Broadway 120. Unter der gleichen Anschrift residierten Bernhard Baruch und Gerard Swope, die Schlüsselfiguren des späteren New Deals. Der Grund, warum VanLaer Black sich den jungen Rechtsanwalt in den Vorstand geholt hatte, lag wieder bei FDRs guten Behördenkontakten. Seine Aufgabe war es, bei Behörden, Organisationen und Gewerkschaften Anleihen und Absicherungsgeschäfte über riskante Aktivitäten hoher Beamter und Funktionäre zu akquirieren. Schon in diesem Geschäft stand ihm Louis Howe zur Seite, der FDRs politische Laufbahn bis zum Ende plante und lenkte. Im Grunde ging es bei dem Geschäft darum, unter Ausnutzung des Namens und der politischen Kontakte den Wettbewerb in diesem Sektor zu umgehen. Nebenbei bewährte sich FDR auch in einer Kampagne gegen Sullivan W. Jones, als dieser Mißwirtschaft und Korruption im öffentlichen Anleihen-Unwesen zu bekämpfen begann.

Mit soviel geschäftlichem Hintergrund schien der politische Erfolg FDRs vorgezeichnet zu sein. Um ihn zu verstehen, muß man die erwähnte Massenstreikbewegung beachten, welche die USA in den damaligen Krisenjahren erfaßt hatte und welche die großen Unternehmen zwang, zum eigenen Schutz schwerbewaffnete Privatarmeen zu unterhalten. Zu den Lohnkämpfen kamen Arbeitslosenräte, Hungermärsche, Protestmärsche der Kriegsteilnehmer, die Revolte der kleinen Farmer. Massenorganisationen zum Schutz und zur Interessenvertretung bestimmter Gruppen, wie der Schwarzen, der Jugend (im Amerikanische Youth Congress wurde Frau R. tätig), der Frauen und anderer. Schließlich gewann eine Reihe radikaler populistischer Organisationen, wie die von Huey P. Long und anderer für die US-Finanzelite bedrohlichen Einfluß auf die Bevölkerung. Andererseits deuteten die plötzlich aufgebrochenen Finanzskandale, die beide großen Parteien der herrschenden Elite ähnlich wie zur Zeit in Deutschland die CDU erfaßten, daß die Elite die Umstrukturierung der Parteien beabsichtigte. Ohne die Erneuerung dieser Parteien und bedeutender Zugeständnisse an die Bevölkerung war die gesellschaftliche Krise nicht zu bewältigen. Das wußten die Finanzoligarchen New Yorks früher als der gewerbliche Mittelstand, auf den die Parteien damals noch zugeschnitten waren..

Vorbereitung auf die Politik

Wilson hatte die Wahlunterstützung durch FDR dadurch belohnt, daß er 1913 den 31-Jährigen zum Vizemarineminister machte. Die guten Beziehungen FDRs zu Mahan dürften – wie erwähnt – für diese Ernennung nicht unerheblich gewesen sein.19 FDR Aufgabe war, den schnellst möglichen Aufbau der US Kriegsmarine, die damals dem Anspruch auf Weltgeltung nicht genügte und auf das Eingreifen in Europa nicht vorbereitet war, zu organisieren. Er fand im Wall Street Spekulanten Berhard Baruch den geeigneten Mann für diese Aufgabe. Der schaffte es in wenigen Jahren, die bis dahin größte und mächtigste Kriegsmaschinerie der Welt aus dem Boden zu stampfen. Seit dieser Zeit arbeiteten Baruch und FDR eng zusammen.

Seine demagogische Ausbildung hatte FDR schon frühzeitig in der English Speaking Union, einer weltweiten proenglischen Kulturorganisation erhalten. Dabei unterschied er durchaus zwischen englischer Wirtschaftskultur und den überholten Zöpfen des englischen Empire. Im Grunde ging es damals schon darum, die Geschicke des britischen Empires in amerikanische Hände zu legen, wie es etwa Homer Lea in seinen Büchern mehr oder weniger direkt gefordert hatte.20 Denn nur in der modernisierten amerikanischen Form würde das Empire der Seemächte eine Chance haben, sich gegen die erstarkenden Mächte des eurasischen „Herzlandes" zu behaupten.

Die Stoßrichtung der kulturpolitischen Organisation richtete sich daher vor allem gegen die deutsche mitteleuropäische Kultur, die seit den preußischen Befreiungskriegen zu einem deutsch-russischen Bündnis neigte. Diese Kultur prägte das Bewußtsein, sich gemeinschaftlich gegen allerlei von außen (Hunnen, Ungarn, Mongolen, Türken etc) anstürmende Völkerschaften verteidigen zu müssen; sie war daher „völkisch", der eigenen kulturellen Tradition verbunden. Das unterschied sie wesentlich von der englischen Zivilisation. Diese war jedenfalls nach 1066, als sie unter den Einfluß der normannischen Oberschicht (Seefahrer) geraten war, stärker individualistisch-aristokratisch ausgerichtet. Die dortige Aristokratie kannte wenig Verantwortung für the common people, die einer unterworfenen anderen Völkerschaft angehört und, so lange sie nicht gefährlich werden konnte, eher wie dienstbares Vieh gehalten wurde.

Daher war das Feindbild FDRs das Preußentum und dessen anstößiger Repräsentant, der preußische Junker und Beamte. Im Grunde richtete sich die Abneigung aber gegen die preußische Verwaltungs- und Staatsphilosophie (König und Elite als vornehme Diener des Volkes). Es ging FDR also weniger um die Beseitigung des Nationalsozialismus, sondern die „Zerstörung der Philosophien in diesen Ländern (Deutschland, Italien, Japan), die auf Eroberung und Unterwerfung anderer Völker beruhen."21

Die Erfahrungen in der Wilson Administration prägten FDRs eigene Präsidentschaft nachhaltig. Noch vor Wilson und seinem unmittelbaren Vorgesetzten, Marineminister Joseph Daniels, die damals nach außen hin noch von der Neutralität der USA redeten, betrieb FDR den möglichst frühen Kriegseintritt der USA. Seine Rede zum Kriegsbeginn 1914 umriß bereits die spätere Hemisphärenpolitik: „Unsere nationale Verteidigung muß sich über die gesamte westliche Hemisphäre erstrecken. Sie muß Tausende Meilen weit ins Meer hinausreichen, sie muß die Philippinen und die überseeischen Gebiete umfassen, wo immer unsere Handelsinteressen liegen."22 FDR galt als „ohne Zweifel der am wenigsten neutrale Regierungsvertreter". Offiziell hielt er sich an Wilsons propagandistische Vorgaben, die Neutralität aufrecht zu erhalten.23 Praktisch verfolgte FDR die Vorstellungen der Navy League of the United States, der er angehörte. Intern drängte er seinen Vorgesetzten immer wieder: „Wir müssen in diesen Krieg eintreten"24, denn der Krieg betraf „hundert verschiedene Verwicklungen, an denen wir ein direktes Interesse nehmen müssen". Schon damals forderte er „die vollständige Zerschlagung Deutschlands".25

Mit seinen 14 Punkten lieferte Wilson die wohl wirksamste und kostengünstige Waffe, um den deutschen Widerstand zu brechen. Nach dem Sieg war von diesen Punkten für die Unterlegenen nichts zu spüren. Das wurde Wilson selbst zum Verhängnis. Wilson hatte es anderen überlassen, die von Homer La verbreitete Angst vor einem Angriff auf die USA zu verbreiten und dieses Propagandamittel für seine Bemühungen um den Kriegseintritt nicht genutzt. Damit versäumte er, die US-Bürger auf den Krieg vorzubereiten, ohne den Anschein zu erwecken, „militaristisch" oder „interventionistisch" zu sein. Wilson hatte ferner versäumt, auf die nationalen Ziele und Vorteile zu verweisen, die er mit seinen internationalistischen Vorstellungen wie dem Völkerbund und ähnlichem verfolgte. Dadurch machte er es seinen Gegnern leicht, ihn als idealistischen Spinner abzutun. Aus Wilsons Fehler hat FDR gelernt.

FDR hat diese Punkte in seiner Kriegsvorbereitung zum 2. Weltkrieg, den er als Fortsetzung des ersten Weltkriegs nach einer mehr oder weniger sträflichen Unterbrechung von 21 Jahren ansah, berücksichtigt.26 Er beschränkte sich auf die vier Freiheiten der Atlantik Charta, die inhaltlich nichts besagen und zu nichts verpflichten – das gilt auch und vor allem für die darin enthaltene „Freiheit von Not". Er hat – abgesehen vom zu zerschlagenden Deutschland und dem Verbündeten Rußland – keine Gebietsveränderungen vorgeschlagen, sie eher einzudämmen versucht. Wirksamer galt ihm der allmähliche Abbau des Nationalstaats durch internationale Organisationen. Dazu regte er – im Unterschied zu Wilsons Umgang mit der Völkerbundsidee – schon frühzeitig eine öffentliche Debatte über die neue Weltorganisation, „die Vereinten Nationen" an. Für sie forderte er, was Wilson versäumt hatte, eine Internationale Polizei- und Sanktionsgewalt und ein Welthandelssystem – beides Voraussetzungen zur Absicherung der Hegemonialansprüche der USA.

FDR, der ursprünglich wie Teddy R. aus dem Lager der nationalen Egoisten stammte, war von Wilson schon auf der langen Überfahrt per Dampfer zu den Versailler „Friedensverhandlungen" bekehrt worden, die Vorzügen internationalistischer Regelungen für die Interessen der USA zu berücksichtigen.27 Nach dem begeisterten Empfang, der Wilson bei seiner Rückkehr aus Versailles umtoste, änderte FDR 1919 seine frühere, kriegerische Rhetorik. Im Wahlkampf von 1919 begann er erstaunlicherweise von Moral und Völkerfrieden zu reden, ohne sich bei solchen Aussagen allzu eindeutig auf bestimmte Inhalte festzulegen. In Versailles gehörte Roosevelt allerdings weiterhin zu den Beratern, die aufgrund der Überlegungen Leas und Mahans die schärfsten Friedensbedingungen gegen Deutschland forderten.

Politische Karriere

Als seine Partei Wilson 1920 in die Wüste schickte, benannte sie FDR als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten. Doch der plötzliche Ausbruch der Kinderlähmung unterbrach zunächst jäh die Ambitionen FDRs. Der frühere Mitarbeiter und jetzige Journalist des republikanischen New York Herald Trribune, Louise McHenry Howe, hatte schon 1912 die Wahl Roosevelts in den New Yorker Senat sichergestellt, obwohl dieser gerade an Typhus erkrankt war. Er ließ auch jetzt nicht locker, sondern verfolgte den Plan, FDR zum US-Präsidenten zu machen, unbeirrt weiter. Es gelang ihm, FDR zu überzeugen und trotz der Behinderung die Zuversicht für diese Karriere in ihm wachzuhalten.28

Bei der Präsidentschaftswahl 1928 unterlag der Demokrat Al Smith (Direktor von Morgans Metropolitan Life Insurance) dem Republikaner Hoover, obwohl er John J. Raskop Vizepräsident von DuPont, General Motors und Direktor bei Bankers und County Trust zum Vorsitzenden des Finanzausschusses der Demokratischen Partei gemacht hatte. Der damalige Wahlkampf ist interessant, weil in den Reden von Raskop, Baruch und anderer Wall Street Leute bereits die Vorstellungen des späteren New Deal propagiert wurden.29 Die Zeit war aber für diese Vorstellungen noch nicht reif. Das änderte erst der für die Großfinanz sehr profitable und von ihr inszenierte Börsenkrach von 1929, an der übrigens schon der Anglo-Amerikaner Churchill dank der Insider Informationen von Baruch kräftig mitverdienen konnte.

Der Fluß der Wahlkampfspenden macht deutlich, daß Wall Street sich noch nicht einig war und auf beide Kandidaten gesetzt hatte. Hoover vertrat mit seinem „American Individualism" noch die gängigen Ideen des gewerblichen Mittelstandes. Als er 1932 vor die Entscheidung gestellt wurde, den National Recovery Act in sein Wahlprogramm zu übernehmen, und er sich aus „ordnungspolitischen" Gründen weigerte, verlor er endgültig die Unterstützung der Wall Street.30 Dabei war Hoover durchaus kein Anhänger des Laissez-faire Systems. Murray Rothbard nennt ihn in einem Zeitschriftenaufsatz sicherlich übertrieben den „eigentlichen Schöpfer des New Deal".31

Im Wahlkampf zum Gouverneur von New York 1930 hatte die Wall Street mit FDR in den eigenen Reihen den Kandidaten ihres Vertrauens gefunden. In seinem Buch schreibt der spätere Chef der New Deal Behörde General Hugh S. Johnson, wie er, der damals im privaten Thinktank von Bernhard Baruch arbeitete, die Redenschreiber Roosevelts, Ray Moley und Rex Tugwell mit allen erforderlichen Wirtschaftsdaten versah: „so daß unser Land überzeugt wurde, daß es sich hier um einen Führer handele, auf den man sich verlassen konnte"32. Das Spendenaufkommen für den Präsidentschaftswahlkampf FDRs soll zu 78 % aus der Wall Street zugeflossen sein.33 FDR hatte sich in der Demokratischen Partei als Kandidat hervorgetan, weil er ab 1930, als Baruch in seiner 1.-Mai-Rede die Grundzüge des New-Deal-Plans zuerst umriß, das volle Vertrauen und das Geld der Wall Street hinter sich hatte. Dies wurde aus Gründen der Propaganda im Wahlkampf natürlich nicht an die große Glocke gehängt.

Wie Teddy R. begann auch FDR seine Parteikarriere als Rebell gegen das sprichwörtlich korrupte Establishment der Demokratischen Partei, damals eines Charly Murphy und Packy McCabe. Sein Aufstand hatte die Aufgabe, die Demokratische Partei auf ihre neuen Aufgaben vorzubereiten und entsprechend umzubauen. Dabei half ihm die neue Parteielite, die psycho-soziologisch gebildeten Intellektuellen der aufstrebenden Werbe- und Meinungsmanipulationswirtschaft (Bewußtseinsindustrie).

New Deal

Der New Deal ging, wie schon gesagt, auf ältere Anregungen aus unterschiedlichen Quellen zurück. Im Wahljahr FDRs war es zunächst kein Programm sondern eher eine Stimmung, die den Arbeitslosen Arbeit, den Farmern höhere Preise und den Unternehmern lukrative Aufträge versprach. Schon Hoover hatte in endlosen Phrasen wiederholt, die neue Prosperität liege „gleich hinter der nächsten Ecke". Von dort war sie aber nicht hervorgekommen. Das konnte sie auch nicht, weil die FED durch ihre restriktive Finanzpolitik dafür sorgte, daß dies nicht geschah. Mit der Wahl ihres Kandidaten Roosevelt änderte sich das auf ähnlich wundersame Weise, wie sich die Kreditpolitik gegenüber Deutschland mit der Wahl Hitlers geändert hatte.

Unter den Begriff New Deal wird eine Fülle von Maßnahmen und Gesetzen verstanden, die nach innen den ruinösen Preiswettbewerb unter den Industriellen aufhalten, nach außen politische Aktivitäten finanzpolitisch handhabbar machen und schließlich auch soziale Härten und soziales Chaos im Inneren abbauen sollten. Dazu gehörte auch, den Volkszorn über die Finanzmanöver, die zum Börsenkrach 1929 (nach der angeheizten Hausse seit 1925) geführt hatten, auf wünschenswertere Objekte umzuleiten oder zu neutralisieren. Ohne Rhetorik gegen die Wall Street war das natürlich alles nicht umzusetzen.

Schuld an der US Misere war natürlich wie immer das Ausland. Daher kündigte FDR als erste Maßnahme die Teilnahme an der Welthandelskonferenz, die noch Hoover angeregt hatte und die im Juli 1933 in London stattfinden sollte. Aus dem gleichen Grund kündigte er den Goldstandard des Dollars. Wichtig war für ihn auch das Johnson-Bill vom April 1934, das die Kreditgewährung an Schuldner des ersten Weltkriegs verbot, solange diese ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen waren.

Als erster Schritt des eigentlichen New Deal wurde eine Reihe neuer Behörden geschaffen. Man nannte sie Roosevelts ABC. Es gab zum Beispiel eine AAA zur Drosselung der landwirtschaftlichen Produktion und zur Überwachung ihrer ordentlichen Durchführung. Eine Behörde CCC organisierten den freiwilligen Arbeitsdienst. In der NRA sollten die Unternehmen einer jeweiligen Branche zu Korporationen zusammengefaßt werden, wie das zur gleichen Zeit auch in „Nazi"-Deutschland geschah. Hier sollten neben den Beamten 2000 Männer aus der Wirtschaft auf Vorschlag des jeweiligen Branchenrates, in dem natürlich die jeweiligen Marktführer das Sagen hatten, die Produktionsmenge und die Güterpreise festlegen. Eine NIRA regelte die Arbeitsverhältnisse aufgrund der Erfahrungen mit dem War Labor Board des WWI neu, und bot im §7 (a) kollektive Tarifverträge für den Fall an, daß die Gewerkschaften auf Streiks verzichteten.

Diese Behörden boten vor allem den in großer Zahl zu viel produzierten und daher arbeitslosen Intellektuellen Unterschlupf. In der von FDRs Intimus, dem Sozialarbeiter Harold Hopkins, geleiteten Public Works Administration (PWA), einer zentralen New Deal Behörde, sollen 3000 Schriftsteller für recht zweifelhafte Propagandaaufgaben angestellt worden sein.34 New Deal Behörden arbeiteten wie die mittelalterlichen Gilden für jeden Beruf bestimmte Codes und Verhaltensregeln aus. Damals befiel die US Behörden eine Planungswut, wie sie zur Zeit bei den EU-Behörden wütet. Hier wurde festgelegt, wie sich der Hundefriseur dem Hund zu nähern hatte oder wie viele Stripnummern pro Nachtlokal erlaubt waren und ähnliches. Bei Wohlverhalten gab es einen Blauen Adler, wie heute für Umweltschutz bei uns der Blaue Engel auf dem Briefkopf erscheinen darf.

Bei soviel Regeleifer konnte der Widerstand unter den Amerikanern nicht ausbleiben, zumal die wieder geöffneten Geldschleußen Wall Streets für eine vorübergehende Entspannung auf den Arbeitsmärkten gesorgt hatten. Auslöser war ein zweifelhafter Geflügelhändler. Seine Klage führte schließlich dazu, daß der Oberste Gerichtshof der USA das Gesetzgebungswerk am 27.5.35 als verfassungswidrig verurteilte.

Im Mittelpunkt dieser Bemühungen stand die Grundvoraussetzung für das Funktionieren des Marktes, die nicht mehr in vollem Umfang gegebene und noch nicht angemessen organisierte „Knappheit": also Regelungen für die in der Industrie entstandenen Überkapazitäten. In der Landwirtschaft wurden gegen Entschädigungszahlungen Ernten umgepflügt und Viehherden abgeschlachtet. Das ganze begleitete eine Art nationale Erhebung, so daß Betriebe, die sich nicht an die Vorgaben hielten, dem Volkszorn ausgesetzt wurden. Ähnliches geschieht heute im Zusammenhang mit dem Umweltschutz.

Auch die militärische Rhetorik, mit der FDR und sein Propagandastab zum Kampf an der Arbeitsfront blies, unterschied sich wenig von entsprechenden Tönen in „Nazi"-Deutschland. Man hatte in dieser Phase des New Deal nichts gegen Trust und Monopole, hielt die Entwicklung dahin für zwangsläufig, versuchte sie nur durch gesetzliche Regelungen und vage Vorformen der Wohlstandsökonomie unter Kontrolle zu bringen.

Das änderte sich nach dem höchstrichterlichen Spruch. Nun waren wieder die neoliberalen Regelungswerke der Antitrustgesetzgebung angesagt. Sie wurden durch eine regulierende Steuer- Sozial- und Bankgesetzgebung erweitert. Den Kampf begleitete der Aufruf zu einer Art zweitem propagandistischen Unabhängigkeitskrieg gegen sogenannte „ökonomischen Royalisten". Von einem Versuch FDRs, die FED anzugreifen, ihre privatwirtschaftliche Vormachtstellung durch die Neuregelung des US Geldwesens oder gar die Gründung einer Art Staatsbank zu schmälern, ist mir nichts bekannt. Ebenfalls propagandistisch wetterte die Gegenseite gegen die „Rötung" FDRs und unterstellte ihm völlig zu Unrecht sozialistische Ambitionen – was aber seine Wahlchancen bei der Masse nur förderte. Zusammen mit dem Pathos, nun endlich für das letzte Drittel der US-Bevölkerung, den vergessenen Mann, etwas tun zu wollen, sicherte ihm diese Propaganda einen überwältigenden 2. Wahlsieg.

Der Wahlsieg bestärkte FDR nur in seiner Rhetorik. Ihr entsprachen die wirtschaftliche Entwicklung keineswegs. Deshalb begann auch FDRs Unterstützung in der Demokratischen Partei zu bröckeln. Eine Rolle mögen die Auswirkungen der gegen China, Indien und andere gerichtete Silberpolitik gespielt haben, welche die Staatsverschuldung stärker als der New Deal in die Höhe getrieben hatte. Nur noch der harte Kern der New-Deal-Liberalen stand zu ihm.35 Dies zeigte sich besonders bei seinem mißglückten Versuch, den Obersten Gerichtshof durch eigene Leute zu erweitern und so gefügig zu machen. Daß er dabei mit Hugo Black ausgerechnet einen Ku-Klux-Klan-Mann in dieses Amt schleusen wollte und dies ruchbar wurde, schadete ihm innenpolitisch zusätzlich.

Im Herbst 1937 begannen sich die Zweifel seiner Freunde an der Wall Street angesichts seiner „roten" Rhetorik wirtschaftlich auszuwirken. Sie verknappten das Geld und lösten – wie beim Sturz Hoovers – eine erneute Depression, die sogenannte Roosevelt Depression, aus. Um eine „normale Beschäftigung" aufrechtzuerhalten, mußten nach Berechnung der US-Regierung 18 Milliarden $ investiert werden. Tatsächlich sanken die Investitionen bis 1938 auf nur noch 4,4 Milliarden ab. Die Arbeitslosigkeit stieg rasch an. Schon im Herbst 37 zählte man um die 12 Millionen Arbeitslose und 6 Millionen Kurzarbeiter. Die Umsätze verringerten sich 1938 um 27 % , die Produktion sank auf 56 % dessen zurück, was sie 1929 vor dem Börsenkrach einmal gewesen war. Der Preisverfall verlief unterschiedlich, war aber erheblich. Das wohl wichtigste Ergebnis war: die wirtschaftlichen Probleme erweckten den Eindruck, Deutschland mit einer wesentlich schlechteren wirtschaftlichen Ausgangslage würde wirtschaftspolitisch besser gelenkt als die finanzkapitalistisch gesteuerte viel wohlhabendere USA. Außerdem drohte dies das in Versailles festgelegte Weltkräfteverhältnis zu verschieben.

Bis zum Kriegsbeginn erholte sich die US-Wirtschaft von der FDR-Depression nicht mehr. Bei den Musterungen 1940/41 erwiesen sich 40 % der amerikanischen Männer als untauglich. Sie waren schlecht ernährt oder litten an den Folgen der Unterernährung. 10 Millionen Amerikaner waren 1940 noch arbeitslos. Dabei hatte die Aufrüstung in den USA bereits begonnen, waren die amerikanischen Waffenausfuhren zwischen 1921 und 1935 schon von 7 auf 52 Millionen Dollar jährlich gestiegen und der Anteil der USA am Weltwaffengeschäft von 16 auf 52 %. 1936 waren von der Roosevelt-Administration 8612 Ausfuhrgenehmigungen für Waffen erteilt worden. Die Hauptkunden waren China, die Sowjetunion und Argentinien.36 Erst der Krieg entspannte die wirtschaftliche Lage.

FDR hat die Botschaft der Wall Street offensichtlich sofort verstanden. Er verlor das Interesse am New Deal. Öffentlich erklärt hat er dies aber erst in seiner Botschaft an den Kongreß im Januar 1939. 1937 soll er mit seinem Freund Morgenthau sogar über Rücktritt nachgedacht haben. Angeblich erwogen die beiden Freunde, den Republikanern die Schwierigkeiten zu überlassen, um 1944 wieder aus der Opposition in die Regierung zurückzugelangen. Während FDR bis dahin in seinen Verlautbarungen eindeutig isolationistisch aufgetreten war, schlug er ab jetzt andere Töne an.37

Krieg, mehr als ein Geschäft

Aus seiner damals auch persönlichen Depression schreckten FDR die Schüsse an der Marco Polo Brücke im Juli 1937 auf. Inflation und das soziale Chaos in China, zu der die Silberpolitik FDRs ganz wesentlich beigetragen hatte, führten zu der chinesischen Provokation Japans, die Tschian Kai-schek zusammen mit den chinesischen Kommunisten inszeniert und die dadurch den unerklärten japanisch-chinesischen Krieg ausgelöst hatten. Ein solcher Krieg kam aber auch den Japanern gelegen.

Am 5. 10. 37 hielt FDR in Chicago die berühmt berüchtigte Quarantäne Rede. Sie entzündete sich zwar am japanisch-chinesischen Zwischenfall, bezog sich aber praktisch nur auf Deutschland. In ihr deutete er der Elite noch sehr vorsichtig an, wie er sich eine wirtschaftspolitische Lösung der US-Depression vorstellte. Er gab den Isolationismus, mit dem er seine Präsidentschaft gewonnen hatte, endgültig auf. Den New Deal ersetzte die erfolgreichere Wirtschaftspolitik des War Labor Boards aus dem ersten Weltkrieg. Wer die Rede damals mit wachem Bewußtsein hörte, konnte nicht verkennen, daß die neue Lösung die alte sein sollte, Krieg.

Der Vorwand, nämlich 90 % der friedlichen Völker vor den Übergriffen der 10 % Gangster Nationen zu schützen, war Nebensache. Interessant an der Rede ist, daß in ihr die Sowjetunion als „friedliebende Nation" hingestellt wurde. FDR hielt an dieser Einschätzung auch nach dem sowjetischen Feldzug gegen Finnland im August 1938 fest, obwohl sowohl Botschafter Bullitt, ein persönlicher Freund FDRs in seinem Abschlußbericht von 1936 als auch dessen Nachfolger Joseph E Davis seit 1936 sehr kritische Berichte über die „furchtbare Tyrannei" in der SU, die extreme Hochrüstung (25 % des Bruttosozialprodukts im Unterschied zu 10 %, die Deutschland angeblich dafür verwende), die Schlagkraft der Armee und die weltrevolutionären Pläne Stalins geschickt hatten. Den Grund dafür findet man in Burllitts Bericht angedeutet. Der beschwor zwar die Gefahr, daß ein kommender Krieg Europa an den Sowjetkommunismus ausliefern könnte, die Ausschaltung Deutschlands (im Sinne der Mahan/Lea Doktrin) dieses Risiko aber mehr als ausgleiche.38

Roosevelt war sich über die Stoßrichtung seiner Rede nicht im Unklaren: „Wenn Italien und Japan eine Kampftechnik erfunden haben, ohne Krieg zu erklären, warum können wir nicht etwas ähnliches entwickeln. Es gibt so etwas wie ökonomische Sanktionen ohne Kriegserklärung und ... ich möchte diese Technik haben, Wir nennen sie nicht Sanktionen sondern Quarantäne". Kurz vor seiner Quarantäne-Rede hatte FDR zu Freund Morgenthau gesagt: „Ich wünsche nicht, daß wir Krieg erklären (machen) müssen, um ihn zu haben".39 Vor allem die zweite Wendung macht deutlich, wie die zahlreichen, scheinbaren Friedensinitiativen FDRs zu werten sind. Es waren Wahlkampftricks, denn im Oktober 1939 waren nach Umfragen noch 96,5% der US-Amerikaner gegen eine Beteiligung der USA an einem Europäischen Krieg.40

„Quarantäne" war nur ein anderes Wort für „Handelsblockade", die das Völkerrecht unter die Angriffshandlungen zählt. Tatsächlich wurde sie in einer Reihe von Maßnahmen wie Strafzölle, Einfrieren von Auslandguthaben, Kündigung von Handelsverträgen oder ihre Nichterneuerung, Ausfuhrembargos auf lebenswichtige Rohstoffe, Abbruch der diplomatischen Beziehungen usw. umgesetzt. Alle diese Maßnahmen dienten nicht dazu Deutschland, Japan oder Italien vom Krieg abzuhalten, sondern schränkten den Handlungsspielraum der Länder mehr und mehr ein, so daß ihnen statt der freiwilligen Unterwerfung nur Krieg als „Befreiungsschlag" blieb. Mit der gleichen Waffe wurde Druck auf andere, neutrale Staaten ausgeübt, erst, um ihren Handel mit Deutschland einzufrieren oder zu erschweren, dann, um sie zum Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten zu pressen oder von einem Sonderfrieden mit den Achsenmächten abzuhalten.

Die antineutrale Politik der USA gegenüber Deutschland bedarf keines Belegs, sie wird von Roosevelt auch nicht geleugnet oder verborgen. Sie wurde lediglich gegenüber der eigenen Bevölkerung mit völlig irrationalen Behauptungen, Hitler wolle die USA angreifen und hege Welteroberungspläne, gerechtfertigt. Nach dem Krieg waren alle Akten aus deutschen Archiven den Siegern in die Hände gefallen. Sie wurden im Hinblick auf die Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg auf das gewissenhafteste durchforstet. Man fand in ihnen nirgends einen Beweis dafür, daß solche Pläne bestanden hätten. So mußte man in Nürnberg für die Prozesse und vor allem für die gesamte Nachkriegsmythologie auf Abschriften von Abschriften angeblicher deutscher Dokumente, Fälschungen und erpreßter Geständnisse zurückgreifen. Peinlicherweise zeigten die authentischen geheimen Akten nur, daß Hitler bis Pearl Harbor alles versucht hatte, um einen Konflikt mit den USA zu vermeiden.41 Darüber hinaus mußte sogar der britische Historiker Hoyt entgegen der üblich gewordenen Propaganda zugestehen, daß Deutschland im Herbst 1939 weder wirtschaftlich noch militärisch auf einen Krieg vorbereitet war.42

FDR suchte seit seiner politischen Neuorientierung im Jahr 1937 den Kontakt mit der britischen Kriegsfraktion43 und schickte im Dezember 1937Admiral Royal E. Ingersoll, Leiter des Kriegsplanungsstabs nach England, um die Zusammenarbeit zwischen den USA und England im Kriegsfall und eine gegen Deutschland gerichtete militärische Arbeitsteilung zu organisieren.44 Zuvor hatte FDR schon Forrest Davis auf eine Reise ins Baltikum geschickt, um mögliche „Kampfzonen" zu inspizieren, was auf Überlegungen hindeutet, Rußland in einen solchen Krieg einzubeziehen.45

Im gleichen Jahr begann die strenggeheime Planung für die Industiemobilmachung in den USA. Nicht weniger als 20.000 Werke sollten auf die Produktions von Kriegsmaterial ausgerichtet werden.46 Gleichzeitig setzte FDR alles daran, den Vorschlag des Kongreßabgeordneten Louis Ludlow abzuwehren, der die Möglichkeiten des Präsidenten, Krieg zu erklären, weiter eingrenzen wollte. Das gelang FDR damals nur mit einer hauchdünnen Mehrheit. Das alles geschah vor dem „Anschluß" Österreichs an Deutschland im März 1938, den die US-Propaganda als Vertragsbruch und bewaffnete Gewalttat wertete.

Im Juni 1938 kündigte Roosevelt die Verlegung der US-Flotte in den Atlantik an. Im August wurden weitere Geheimverhandlungen zwischen Regierungsvertretern der USA und Englands anberaumt. Am 1.9.38 begannen die ersten Manöver der US-Atlantikflotte. Die Geheimverhandlungen wurden nach einer Presseindiskretion am 17. 11. 38 als Vorbereitungen von Handelsabkommen ausgegeben. Es schimmerten aber recht deutlich politische Abmachungen durch, vor allem soll es um Garantien an England im Falle eines Krieges gegangen sein.47 Anlaß der desinformativen Pressedarstellungen war die Tatsache, daß die sehr weit gediehenen Handelsvereinbarungen zwischen den englischen und deutschen Industrieverbänden am 17.11.38 aufgrund amerikanischer Intervention abgebrochen wurden. Der KZ-Häftling Paul Rassnier berichtete in seinem revisionistischen Buch zum Kriegsbeginn und unterstreicht das durch Zitate aus dem Tagebuch von Innenminister Harold F. Ickes, FDR habe auf den kommenden Krieg in Europa angesprochen im September 1938 geantwortet: „Ein Krieg in Europa kann für uns nur gut sein. Sie müssen ihre Waffen und Munition von uns kaufen. Das Gold von Europa wird so schnell zu uns fließen, daß wir nicht genug Kriegsschiffe haben , um es über den Atlantik zu bringen."48

Interessant ist die Beteiligung FDRs am Münchner Abkommen, weil FDR und die ihm folgende Propaganda Chamberlain die gefährliche Nachgiebigkeit vorwirft. Hitler verlangte von Chamberlain auf dem Obersalzberg am 15. 9. für die 3,5 Millionen Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei das Selbstbestimmungsrecht entsprechend der Zusagen Wilsons, weil die Regierung der 5,5 Millionen Tschechen einen selbst für englischen und französischen Geschmack „ekelhaften" Druck auf die erhebliche deutsche Minderheit ausübe. FDR bezeichnete diese Forderung das „schrecklichste und ruchloseste Opfer, das einem Staat jemals abverlangt wurde".49 Hitler soll schon im Sommer ‘38 beschlossen haben, hier zur Revision des Versailler Diktats tätig zu werden, und zwar mit den Worten, „wenn ich fest davon überzeugt sein kann, daß (...) Frankreich nicht marschieren und England infolge dessen nicht eingreifen wird."50

Aber Frankreich, Rußland und England hatten einer Empfehlung Churchills entsprechend, Hitler in einer Note wissen lassen, daß ein Einmarsch in die Tschechoslowakei „kapitale Folgen für alle drei Mächte nach sich ziehen würde". Am 23.9. machte die Tschechoslowakei mobil und London ließ erkennen, daß es trotz eines gewissen Verständnisses für die deutschen Forderungen in dieser Sache nicht nachgeben wolle. Frankreich ordnete dementsprechend eine Teilmobilmachung an. Am 26. bekräftigte England seine Entschlossenheit noch einmal, Frankreich in dieser Sache zu unterstützen, am 27. wurde die Mobilmachung der britischen Flotte für den 28. angekündigt. Litvinow hatte von Genf aus die Unterstützung der Tschechoslowakei durch Rußland bekräftigt und mit Rumänien den Truppendurchzug vereinbart, um seinen Verpflichtungen gegenüber Prag aus einem Vertrag von 1935 nachzukommen. Mehrere hundert russischer Kampfflugzeuge waren dafür bereits auf tschechischen Flughäfen stationiert. In Deutschland soll die Generalität für den Fall, daß Hitler den Einmarsch trotzdem befehlen würde, einen Putsch vorbereitet haben.51

Hitler begann zu schwanken und ließ in der Nacht zum 28.9. verkünden, daß er keine Mobilmachung beabsichtige, was am Morgen alle deutschen Medien verbreiteten. In dieser Situation schickte FDR am 27.9. plötzlich, nach dem er noch in einem Telefonat mit Masaryck am 11.9. diesen zum Krieg gegen Deutschland aufgefordert hatte, gleichlautende Botschaften an alle beteiligten Regierungen. Er schlug darin Verhandlungen vor, um keinen Krieg zu provozieren. Ähnliche Botschaften schickte er einen Tag später an 19 neutrale Regierungen und an Mussolini, sie sollten auf Hitler einwirken, zu Verhandlungen zurückzukehren. Auch Hitler bekam zum ersten Mal eine persönliche Botschaft des US-Präsidenten. Darin wird er wie die anderen aufgefordert zu verhandeln, er bekam dazu aber auch beteuert, daß die USA in Europa „keine militärischen Verpflichtungen" hätten, (was an ähnliche Äußerungen der US Botschafterin an Sadam Hussein vor dem Golfkrieg erinnert)52.

Die Initiative FDR ließ die damals festgefügte Front gegen Hitlers Vorgehen aufbrechen und öffnete den Appeaser eine Chance. In dieser Sache hätte es territorial eigentlich nichts zu verhandeln gegeben. Hitler brachte gegen die Tschechoslowakei Gebietsansprüche vor und diese war entschlossen, sich dagegen zu verteidigen. Etwas anderes wären innenpolitische Regelungen zu Gunsten der deutschen Volksgruppe gewesen. Erst auf diese Initiative FDRs schwenkten Chamberlain, aber auch Daladier und Benesch ein. Man verkündete „die volle Übereinstimmung mit dem Standpunkt des Präsidenten und die Bereitwilligkeit, über den Frieden zu verhandeln." Am 29.9. flog Chamberlain nach München, wo es zu den Zugeständnissen an Hitler kam, wofür er dann die Prügel bezogen hat.

Daß es FDR damals nicht – wie seine Propaganda vorgab – um Frieden gegangen war, machen zahlreiche Ereignisse aus der Zeit deutlich. Zunächst verbreiteten die US-Medien immer wieder falschen Alarm über einen bevorstehenden Angriff Deutschlands auf neutrale Länder wie Holland, Belgien und andere. Dafür gab es nicht die geringsten Anhaltspunkte; sie dienten, wie etwa ähnliche Kampagnen der letzten Jahre gegen Irak, Sudan und Serbien, der Kriegsvorbereitung.

Schon am 28. 9. 38, also einen Tag nach seiner Botschaft, berief FDR überraschend ein Treffen für Militärs und Wirtschaftler ein. „Er kam sofort auf die Luftwaffe zu sprechen. Sofort Flugzeuge und eine Menge davon!... Was er brauche, seien Flugzeuge!"53 FDR forderte, daß schon im nächsten Jahr 10.000 Flugzeuge hergestellt und die Jahresproduktion auf 20.000 Stück ausgebaut werden müßte. Es schien, FDR „war damals sicher, daß wir bald in einen Krieg eintreten würden, und weil er glaubte, daß die Luftwaffe ihn gewinnen würde". Im Zuge dieser Maßnahmen wurde General Marshall mit Mitteln aus einem Reptilienfond versorgt, um Munitionsfabriken zu bauen.54 Sie sollten vorwiegend in Kanada gebaut werden, um Neutralitätsprobleme zu umgehen. Am 19. 10. 38 empfing FDR Jean Monnet, um zu vereinbaren, wie man an den Neutralitätsgesetzen vorbei Waffenlieferungen an Frankreich sicherstellen könne.55 Anfang Dezember 1938 kam eine geheime Militärdelegation aus Frankreich, um die modernsten US-Kampfflugzeuge zu übernehmen, mit denen damals noch nicht einmal die US-Luftwaffe ausgerüstet worden war. Das geheime Geschäft flog am 23. 1. 39 auf, als französische Militärs aus einem US-Kampfflieger, der in den USA abgestürzt war, geborgen wurden. FDR berief sofort eine Senatskommission ein, die alles zu vertuschen hatte.56

Offensichtlich fürchtete Roosevelt, daß der Krieg, wenn er tatsächlich schon 1938 ausgebrochen wäre, beim Stand der deutschen Rüstung in wenigen Wochen mit einer Niederlage Deutschlands beendet worden wäre. (Beim Polenfeldzug, ein Jahr später, besaß Deutschland nur drei halbmotorisierte Divisionen und keine vollmotorisierte; die militärischen Erfolge dankte es den tschechischen Beutepanzern. Die hochgerüstete Tschechei habe 1938 Deutschland nach Meinung von US-Journalisten selbst ohne die englische und französische Unterstützung bezwingen können.57) Eine rasche Niederlage zumal in Verbindung mit der vorbereiteten Heeresrevolte in Deutschland, hätten Hitler und jeder folgenden deutschen Regierung ein für allemal die Möglichkeit, Krieg zu führen, genommen.

Der vorgesehene Krieg sollte aber 6 Jahre dauern und Europa restlos zerschlagen.58 Das paßte besser zu den wirtschaftspolitischen und großangelegten, weltordnungspolitischen Vorstellungen FDRs. Und so verhinderte er auch eine Initiative der belgischen Regierung, die am 12.1.39 in den USA für einen Friedensplan der Deutschen unter Einbeziehung der USA vorfühlen wollte.59 Es gab andere Versuche deutscher Diplomatie zum Beispiel am 23.1.39 über England, die USA zu einer Verständigung zu gewinnen.60 Sie und weitere, die wir hier nicht aufzählen wollen, waren alle vergeblich.

Vom 5.4. bis 10.5. 1939 tagte in den USA der Senatsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten. Es ging um die Einstellung der USA zum möglichen Krieg in Europa. „Die meisten Teilnehmer neigten zu der Ansicht, ein neuer Weltkrieg werde den USA großen Gewinn bringen und in jeder Hinsicht vorteilhaft sein". Der US-Sachverständige für internationale Fragen, Professor Stilwell, betonte mit der Mehrheit der Diskussionsteilnehmer, daß ein solcher Krieg das Staatsgebiet der USA nicht berühren werden. Die Senatssitzung wurde durch einen Artikel der New York Herald Tribune allerdings erst am 3.11.39 bekannt.

Als Kriegsauslöser war „im Spiel der Mächtepolitik"61 Polen vorgesehen. Bullitt berichtete FDR dahingehend am 23.3.39 von einem Gespräch mit dem polnischen Botschafter Graf Potocki. Voll Genugtuung schreibt er, der Graf teile die Meinung, daß aus „ideologischen" Gründen „das endgültige Ziel im Verfolg ihrer Aktionen nicht der Frieden ist, sondern eine Niederlage Deutschlands herbeizuführen". Polen habe aber zu England und Frankreich wenig Vertrauen und benötige weitergehende Garantien.62 In der folgenden Monaten schrieb Bullitt immer wieder warnend an FDR, die Deutschen würden nicht um Polen kämpfen, wenn man ihnen entschlossen entgegentreten würde.63 Neben der Sorge FDRs, Deutschland könnte sich mit Frankreich, vor allem aber mit England versöhnen64, gab es also auch das Problem, wie man Deutschland zu einem günstigen Zeitpunkt zum polnischen Abenteuer bewegen könne. Daher wurden zahlreiche Botschaften an Polen und andere Regierungen geschickt, um zu erreichen, daß die polnische Regierung den an sich nicht unbilligen deutschen Forderungen, denen Oberst Beck im Grunde schon zugestimmt hatte65, Widerstand entgegensetzt.

Im folgenden wurde unter den Alliierten darum gepokert, in welcher Reihenfolge man in den Krieg gegen Deutschland eintreten solle. Das wurde vor allem bei den eigenartigen Versuchen deutlich, einen Dreierpakt zwischen England, Frankreich und Rußland auszuhandeln. Frankreich war an einem solchen Pakt ernsthaft interessiert, weil es in einem europäischen Krieg die Hauptlast zu tragen hatte. Hierin waren sich George Bonnet und Daladier einig. Sie versprachen sich von einem Dreierbund zurecht günstige Voraussetzungen, um die deutsch-polnischen Fragen friedlich beilegen zu können.66 England konnte sich aus Rücksicht auf seinen Verbündeten Frankreich diesem Versuch nicht sperren, betrieb ihn aber erstaunlich „ungeschickt" und ließ ihn immer wieder an der Polenfrage scheitern.67 Die Polen gebärdeten sich erstaunlich „kurzsichtig" und „dumm".68 Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Bemerkung Sir Howard Kennards, des britischen Botschafters in Warschau. Er weigerte sich, Druck auf die polnische Regierung wegen ihrer starren Haltung zum Dreierbund auszuüben, weil dies unter anderem die besonderen Beziehungen zu den USA gefährden würde.69

Der Grund für das auffällig ungeschickte und dumme Verhalten kann Bullitt gewesen sein. Der war im Sommer 1939 mit einem „Koffer" voll Dokumente und persönlicher Botschaften FDRs in Europa unterwegs. Das Material würde „nicht weniger als fünf Bände" gefüllt haben. Vieles davon war den Deutschen bei der Eroberung Warschaus in die Hände gefallen und zum Teil in einem „Weißbuch" veröffentlicht worden.70 „Die Alliierten beschlagnahmten sie (die Dokumente) später. Nur ein kleiner Teil davon ist bereits veröffentlicht".71 In diesen Unterlagen soll es nicht nur um großzügige Waffenangebote an England und Frankreich für den Fall gegangen sein, daß sie sofort bei einem Angriff auf Polen Deutschland den Krieg erklärten. Die USA versprachen nach einer angemessenen Frist auch selbst zu folgen. Für den Fall aber, daß die Alliierten erneut ein München anstrebten, werde die USA in Zukunft jede Hilfe verweigern. Die Papiere enthielten vor allem aber Botschaften an die polnische Regierung und Anweisungen an den polnischen Botschafter Graf Jerzy Potocki.72

Auch Japan drohte das fein eingefädelte diplomatische Arrangement zu stören. Auf einer geheimen Konferenz am 23. 5. 39 in Tokio, an der neben Hiranuma Eugene Dooman von der US-Botschaft teilnahm, wurde den USA für den Fall die Vermittlung angeboten, wenn sie sich wie gewisse Kreise in England und Frankreich mit Deutschland und Italien die europäischen Schwierigkeiten beheben wollten.73 Außenminister Hull fand das Angebot erstaunlich und brachte es FDR persönlich zur Kenntnis. Doch dieser ließ das Angebot 3 Monate liegen, bis es sich erübrigt hatte.74

FDR hatte am 4. 8. 39 auch direkt in die Dreibundverhandlungen eingegriffen. Lawrence Steinhardt, der Nachfolger Kirks als amerikanischer Botschafter in Moskau wurde angewiesen, Molotow ein vertrauliches Schreiben zu übergeben, in dem es hieß, die USA seien genauso wie die Sowjetunion daran interessiert, die Niederlage Italiens und Deutschlands in einem europäischen Krieg herbeizuführen. FDR hatte zuvor schon den russischen Botschafter Umansky in Washington empfangen, um sich mit Rußland über das Vorgehen gegen Deutschland und Italien abzustimmen.75

Das Eigenartige an den beiden Initiativen war, daß das amerikanische Angebot aus der Unterredung mit Umansky in Rußland und Deutschland, drei Tage bevor Steinhardt das streng vertrauliche Schreiben bekam, veröffentlicht wurde. Es ist wahrscheinlich, daß der Auftrag Steinhardts über die veröffentlichten Vorschläge hinausgehende, und zwar die eigentlich geheimen Vorschläge enthielt, die nun gar nicht für die Veröffentlichung – und zwar bis heute – bestimmt waren. Als Steinhardt am 16.8. den Brief FDRs übergab, meldete er FDR aufgrund seines Gesprächs mit Molotow, die SU werde es vermeiden, bereits im Anfangsstadium an einem europäischen Konflikt teilzunehmen.76 Im Zuge dessen kam es dann überraschend schnell zum Hitler-Stalin-Pakt.

Angeblich soll Stalin sich schon am 11. 8., als Umansky von FDR empfangen worden ist, für ein deutsch-russisches Bündnis entschieden und dies Berlin am 13. 8. signalisiert haben. Am 14. 8. eskalierte der Terror der Polen gegen die Deutsche Bevölkerung. Tatsächlich hatte der bulgarische Gesandte Draganow erst am 15. 6. 39 in Berlin Andeutungen gemacht, die auf eine russische Annäherungsbereitschaft hindeuteten. Das war ein Tag bevor Steinhardt tätig geworden ist, aber auch ein Tag nachdem William Strang, Leiter der Zentralabteilung des Britischen Foreign Office für Deutsche Ostangelegenheiten, in Moskau zu Geheimgesprächen eingetroffen war. Der deutsche Gesandte von Schulenburg konnte aber trotz eifriger Bemühungen damals noch keine Öffnungen in Moskau feststellen. Statt dessen ist Molotow am 23. 7. auf den Vorschlag eines englisch-französisch-russischen Bündnisses eingegangen. Er machte den Vertragsabschluß von Ergebnissen der gemeinsamen Generalstabsbesprechung abhängig. Diese führte aber zu keinem Ergebnis, nur daß der Westen weitestgehende Zugeständnisse zu den Gebietsansprüchen Rußlands machte.

Auch wenn die Diplomatie um den Hitler-Stalin-Pakt verworren ist, kann man sagen, die Initiative dazu ging offensichtlich von den Russen aus. Sie wurde in Berlin trotz der ideologischen Bedenken mit großer Erleichterung aufgegriffen. Um so erstaunlicher ist es festzustellen, daß Bullitt schon in einem Bericht an die US-Regierung vom 26.11.38 die Möglichkeit eines Hitler Stalin Pakts angedeutet hat, zu einem Zeitpunkt als Hitler davon selbst noch nichts ahnen konnte.77 Als es 10 Monate später zu den deutsch-russischen Vorverhandlungen kam, wurde der US-Botschafter in Moskau von Herwarth von Bitterfeld über die Fortschritte auf dem Laufenden gehalten. Von Bitterfeld hatte gehofft, durch seinen Hochverrat und anschließende Veröffentlichungen im Westen die Kriegsgefahr, die auch er von einem solchen Pakt ausgehen sah, bannen zu können. Das Gegenteil war der Fall. Die USA verständigten die englischen und französischen Botschafter erst Mitte August insgeheim über die deutsch-russischen Verhandlungen, die den gesamten Raum Ostmitteleuropas von der Ostsee bis zum Mittelmeer neu ordnen wollten.78

Die Gefährlichkeit des Paktes, aber auch sein Zustandekommen, wird leichter verständlich, wenn man zweierlei berücksichtigt. In einem Bericht des US-Botschafters in Berlin Henderson vom 22.2.39 heißt es, Göring habe sich bei ihm beschwert, Amerika treibe die Westmächte in einen Krieg gegen Deutschland. „Wenn diese Kampagne anhalte, müsse die deutsche Regierung überlegen, ob es nicht angebrachter sei, jetzt selbst zur Tat zu schreiten, bevor es zu spät und solange Deutschland militärisch noch in einer starken Position sei".79 Göring hatte die Bedeutung der Quarantänepolitik verstanden. Die Nationalsozialisten sahen sich vor die Entscheidung gestellt zwischen bedingungsloser Kapitulation vor oder nach einem Krieg. Sie zogen die Chance des Krieges der Ausweglosigkeit vor. Das war ihr Verbrechen. Zum anderen hatte Chamberlain den Botschafter Kennedy gewarnt, Hitler sei zu klug, um bei seiner bekannten Angst vor einem zwei Frontenkrieg den Weltkrieg zu beginnen.80 Hitler selbst kannte den Wunsch gewisser Kreise im Westen, ihn in einen Krieg mit der SU zu verwickeln und hoffte aufgrund seiner anglophilen Verbohrtheit, daß man ihn für diesen Dienst ungeschoren lassen würde.

Als es schließlich zum Krieg kam, verhinderte FDR jede Möglichkeit eines vorzeitigen Friedensschlusses. Zu diesem Zweck bestand er seit März 1940, also noch vor seinem Kriegseintritt, auf der „totalen Niederlage Deutschland", woraus später die Forderung nach der „bedingungslosen Kapitulation" wurde. Erst eine solche schien ihm die Voraussetzung zu bieten, ein für alle Mal den preußischen Geist aus Deutschland auszutreiben, wobei er und vor allem seine Nachfolger einen durchschlagenden Erfolg hatten und haben.

Einstellung zu England und Bretton Woods

Regelung der Westlichen Hemisphäre

Es ist kein Geheimnis, daß FDR trotz aller Unterstützung ein erklärter Gegner des Britischen Kolonialreichs war. Diese Einstellung war den Briten nicht verborgen. Die eine britische Fraktion wollte zu einem Arrangement mit Deutschland kommen, weil sie aufgrund der Erfahrungen mit dem 1. Weltkrieg ahnten, daß ein neuer Weltkrieg das Ende des Britischen Weltreichs bedeuten würde. Die andere Fraktion rechnete im Sinne der Überlegungen Leas zwar mit einer translatio imperii nach Westen, glaubte aber wegen der Sonderbeziehungen den Fortbestand ihres Reiche wenigstens nach außen hin behalten zu können. Zu dieser Fraktion gehörte vor allem der Angloamerikaner Churchill und der Britische Lord Halifax. FDR war aber entschlossen, das britische Empire in veränderter Form vollständig zu beerben und für die Wall Street zu übernehmen.

Das mußte Churchill in den zähen Preisverhandlungen für die Waffenlieferungen wütend zur Kenntnis nehmen. Er bekam nichts geschenkt und mußte schließlich mit Gebietsabtretungen an das neue Empire „westliche Hemisphäre" (aus der Monroe Doktrin) oder „neue nationale Politik der Hemisphären-Verteidigung" bezahlen.81 Die Hemisphäre weitete FDR, schon bevor die USA in den europäischen Krieg eintrat, kontinuierlich über den amerikanischen Kontinent hinaus aus. Zunächst wurde die drei Meilen Zone auf 300 und später auf 2800 Meilen ausgeweitet. Im November 1940 zählte zur westlichen Hemisphäre schon ein großer Teil des britischen Empires mit Australien, Neuseeland, niederländisch Ostindien und französisch Indochina. Dann wurde Grönland unter den Schutz der USA gestellt und die westliche Hemisphäre bis an die Westküste Englands und Afrikas vorgetrieben. Schon 1938 hatte FDR – wie erwähnt – davon gesprochen, daß sie bis zum Rhein reiche. Unter dem Begriff Verteidigung der westlichen Hemisphäre bauten die USA ein erdumspannendes Netz der See- und Luftkriegsführung noch vor ihrem Kriegseintritt auf.82 In diesem Sinne hatte am 14. 8. 39 Admiral Stark von Unterstaatssekretär Welles gefordert, dafür zu sorgen, daß Großbritannien und einige Karibische Republiken der US-Navy Stützpunkte bereitstellte.83

Daß es sich hierbei um eine Art Empire handelt, wird aus der Tatsache deutlich, daß die Zugehörigkeit zur westlichen Hemisphäre die Aufgabe von Teilen der Souveränität verlangte. Weihnachten 1938 vereinbarten die 22 Mitglieder der Panamerikanischen Union in Lima einen Beistandspakt, um einer politischen, wirtschaftlichen und ideologischen „Bedrohung" vorzugreifen. Von den Bedrohungen waren allenfalls die ideologische, nämlich das Einschwenken auf den Nationalsozialismus oder Faschismus, ernstzunehmen. Denn von welchem Ort in der Welt hätte eine reale Bedrohung ausgehen können? Gab es einen solchen, wo hätte dann die Grenze des Bedrohtseins gezogen werden sollen? In der Deklaration von Panama vom 2. 10. 39 verpflichteten sich die Staaten, eine Sicherheitszone von 300 Meilen um ihre Küste einzurichten, in die kein Schiff einer kriegführenden Nation eindringen dürfe. Das kam einer Handelsblockade gleich. Für den Patrouilliendienst wollte die US Marine aufkommen. Ähnliche Abkommen wurden zwischen FDR und Kanada – damals im Unterschied zu den USA schon eine kriegführende Nation – im Frühjahr 1941 beschlossen. In ihm wurden Pläne für die künftige gemeinsame Kriegführung festgelegt und Militärbasen verabredet.

In Havanna wurde dann am 21. Juni 1940 offen die „begrenzte Souveränität" durchgesetzt. Um sie schmackhaft zu machen, versprachen die USA den jeweiligen Machthabern Zuwendungen im Wert von insgesamt 500 Mill. $. Sie mußten dafür Souveränitätsrechte an übernationale, scheinbar panamerikanische aber tatsächlich von den USA kontrollierte Gremien abgeben. Darunter fiel auch das Zugeständnis, daß die USA unter gewissen Bedingungen militärisch in ihr Hoheitsgebiet intervenieren durfte. FDR wollte auf diese Weise mit seiner Luftwaffe eine „neue politische Weltordnung" schaffen. Diese Weltordnung hatte für FDR in erster Linie eine militärische Dimension Er behauptete selbst immer wieder, die Atlantik Charta sei eine bloße „Prinzipienerklärung", sie „enthalte keine bestimmten Regeln, die auf eine der verwickelten Situationen in dieser vom Krieg zerrissenen Welt anzuwenden wäre". Aber sie gebe den USA das Recht zu intervenieren, wenn sie diese Prinzipien verletzt sähen. Und darauf kam es eigentlich an.84

Das läßt sich am Konzept der internationalen Treuhänderschaft verdeutlichen. Dieses setzten die USA schon 1940 in Havanna durch. Es war von vornherein mit militärischen Zielen und Überlegungen verschränkt. Zunächst sollte es verhindern, daß Japan gewisse pazifische Inseln besetzen würde. Später wurde die Treuhänderschaft mit der sogenannten „Verteidigung der westlichen Hemisphäre" verknüpft. Nach dem Krieg sollte sie die Verwaltung des eroberten Feindeslandes und aller Kolonialgebiete übernehmen. Die Treuhänder sollten die Gebiete zwar uneigennützig verwalten und für eine „demokratische" Umerziehung der Bevölkerung sorgen. Aber sie sollten die Gebiete vor allem für die Wirtschaft aller Nationen, das heißt für die schlagfähigsten Unternehmen, offen halten. Nach dem oben erwähnten Ausspruch FDRs waren einige Völker wie kleine Kinder, andere wie böse Jungen zu behandeln; eine nicht gerade demokratische, eher patriarchalische Einstellung. Sie sollten aus der Geschichte der USA lernen, bis sie selbst für die Unabhängigkeit reif, das heißt, sich bedingungslos den wirtschaftspolitischen Vorgaben ergeben zeigten.85

Für die gewünschte Unterordnung unter die Bedingungen der freien Entfaltung befähigter Wirtschaftsinteressen sollte eine internationale Polizeitruppe sorgen. Sie vorzubereiten wies FDR seine Stabschef am 23.Dezember 1942 an. Sie sollte wie das US-Militär, diesem aber eindeutig nachgeordnet, überall in der Welt über Flotten und Luftbasen verfügen und „ohne Rücksicht auf die gegenwärtige Souveränität der betreffenden Gebiete operieren dürfen".86 Das Verteidigungssystem sollte zwar nominell dem Dach der Vereinten Nationen unterstehen, aber, wie erst kürzlich im Falle des Kosowo, in erster Linie von den USA als der „reifsten" aller Nationen gehandhabt werden.87 Da zum Zeitpunkt dieser Einsatzplanung die Achsenmächte bereits mehr oder weniger am Boden lagen, konnte sich das neue „Sicherheitssystem" eigentlich nur gegen den Noch-Verbündeten, die SU, richten. Tatsächlich deutet viel darauf hin, daß damals schon der nächste Krieg vorbereitet wurde.88

Innerhalb des Treuhandsystems würden die US-Finanz- und Handelsinteressen von nationalen Schranken ungehindert operieren dürfen und in allen Weltgegenden waren ihren Luftfahrts- und Seefahrtslinien Landungs- und Stapelrechte einzuräumen. FDR plante sogar – wie es im Versailler Diktat für Deutschland festgelegt war – die Internationalisierung der Flüsse und Eisenbahnlinien der anderen Staaten. Jedenfalls forderte er den uneingeschränkten Zugang der Stärksten zu den Märkten und Rohstoffen der Welt als Zusammenarbeit der Nationen auf wirtschaftlichen Gebiet. Die Absichten lassen sich am Beispiel der Nutzung der Atomenergie verdeutlichen. England hatte seine Fachleute in das Manhattenprojekt gesteckt. Plötzlich wurde es von allen Informationen abgeschnitten. Mit heftigem Protest gelang es England schließlich durchzusetzen, daß es informiert wurde; doch behielt sich der US-Präsident die Entscheidung darüber vor, welchen wirtschaftlichen Nutzen es aus der Kernenergie ziehen durfte.89

Bretton Woods

Der Sinn all dieser und der hier nicht erwähnten Regelungen äußert sich im Bretton Woods Abkommen kurz vor Ende des Krieges. Daß die USA eine Währungskonferenz zur Regelung der Nachkriegsentwicklung einberiefen, war berechtigt. Wie erwartet, lag Europa am Boden und die Verhältnisse waren so, daß die USA die Trümmer einsammeln konnten. Nennenswerte produktive Betriebsstätten gab es nur noch in den USA. Auch vier Fünftel der Goldbestände der Welt lagerten in der Goldfestung Knox, die FDR eigens für diesen Zweck in den Bergen von Kentucky hatte errichten und schon 1936 fertigstellen lassen.

Am 1. Juli 1944 versammelten sich Vertreter der 44 Siegerstaaten in Bretton Woods. Neutrale fehlten wie die Feindmächte. Die Delegationen hatten bis auf die der USA praktisch nichts zu sagen. Churchill zum Beispiel, der für sein Land einen weiteren 6,5 Milliarden $ Kredit benötigte, bekam ihn nur unter zwei Bedingungen. Er hatte 1. den Morgenthauplan und 2. das Bretton Woods Abkommen zu unterschreiben. Er war nicht der einzige, der auf diese Weise „freiwillig" unterschrieb. Gegründet wurde eine Weltbank und ein Weltwährungsfonds. Die Idee ging zwar auf John Maynard Keynes zurück, der 1943 eine zentrale World Clearing Bank vorgeschlagen hatte, unterschied sich von seinen Vorstellungen aber grundlegend.

Keynes hatte als Verrechnungseinheit einen künstlich zu schaffenden und vom Zugriff aller beteiligten Ländern unabhängigen „Bancor" vorgeschlagen. FDR lehnte das ab. Er wollte, daß die nationale Währung der USA, der Dollar, diese Aufgabe übernahm. Da die USA über das meiste Währungsgold verfügte, wäre der Dollar ebenso gut wie Gold. Der Unterschied zwischen einer internationalen Verrechnungseinheit und einer nationalen Währungseinheit ist aber ein wesentlicher. Denn trotz bester Golddeckung konnte sein Wert jederzeit nach Gutdünken der privaten FED-Banken und nur auf Initiative der US-Regierung verändert werden und wurde das später ja auch.

Die Delegierten hatten sicher nicht vergessen, daß die USA am 14. Juni 1941 vor Kriegseintritt alle europäischen Guthaben außer den britischen, auch die aller neutralen Staaten, blockiert hatten. Der Schweiz wurden auf diese Weise allein 6 Milliarden Franken entwendet. Trotzdem unterschrieben 32 Staaten am 22. Juni 1944 das Abkommen, weil sie auf „Hilfe" angewiesen waren. Nur die Sowjetunion und elf weitere Länder verweigerten die Unterschrift und machten sich damit zu künftigen Feinden der westlichen Hemisphäre.

Der nationale Dollar wurde zum Weltgeld. Die Nationalbanken der beteiligten Länder verpflichteten sich, jede Menge Dollar als vollgültiges Zahlungsmittel zum „unabänderlichen" Dollarwert von 35 Dollar pro Unze Gold anzunehmen. An dem vereinbarten Wert sollte völlig unabhängig von der Kaufkraft des Dollars festgehalten werden. Wie der Goldwert des Dollar fixiert war, so wurden auch die anderen Währungen unabhängig von ihrer Kaufkraft in ein festes Verhältnis zum Dollar gebracht. Die Banken mußten bei Vorlage von Dollar eigene Zahlungsmittel abgeben. Damit konnten die US-Bürger ungehindert überall in der Welt wie zu Hause einkaufen. Umgekehrt war es, soweit es in anderen Ländern potente Geldbesitzer gab, weit schwieriger.

Die Paritäten zwischen den Währungen durften nur mit Zustimmung des Währungsfonds geändert werden. Damit gaben 32 Staaten ihre Währungshoheit auf und machten ihre Währung zu einem internationalisierten, nicht mehr von ihnen selbst zu kontrollierenden Zahlungsmittel, zu eine Art Sekundärdollar. Für die USA gab es jetzt keine „fremde" Währung mehr. Sie konnte überall in der Welt kaufen und zu Preisrelationen, die vom IWF festgelegt worden waren, einkaufen. Darüber hinaus konnte die USA kraft ihrer Weltmacht überall in der Welt Schulden machen. Sie brauchte zu diesem Zweck nur Dollar zu drucken und diese in den anderen Ländern als Zahlungsmittel einsetzen. Wenn sich andere Staaten „Währungsreserven" zur Stabilisierung ihrer Währungen anlegten, so gewährten sie damit automatisch den USA zinslosen Kredit. Diesen zu gewähren waren alle Dollarabnehmer gezwungen. Damit wurde die private FED der Wall Street zur eigentlichen Weltzentralbank, denn nur sie kontrollierten wieviel Dollars gedruckt und als Zahlungsmittel weltweit eingesetzt wurden. Da alle anderen Notenbanken Dollar annehmen mußten, hing deren Geldumlauf von dem Geldumlauf der FED ab.

Der IWF war als Organ der Weltbank nur dem Schein nach der Währungshüter. Beide Institutionen sind nicht Teil der UNO, sie unterliegen keinem Kontrollgremium. Sie stehen über allen Gesetzen und Gerichten. Das einzige Kontrollorgan waren die Geldeinleger und das waren damals fast ausschließlich die USA. Von den 8,6 Milliarden Startkapital des IWF hielten 2,75 nominell die USA. Den Rest teilten sich nominell andere Länder. Sie konnten, wie zum Beispiel England und China, das zunächst noch zur westlichen Hemisphäre gehörte, ihre Einlagen nur als Kredit der USA aufbringen. Abgestimmt wurde nach dem Anteil der Einlagen. Die USA hielt selbst 31,97 % des Stimmrechts, England 14,3 und China 6,22 %. Da ihre Gelder von den USA vorgeschossen waren, hielt diese damit schon 52,6 % der Stimmen. Die USA konnten somit die Währungsparitäten selbst festlegen. Insgesamt schädigte dieses Verfahren die Länder, die versuchten, eine solide Währung zu führen und begünstigte solche, die Geld druckten und dafür einkauften. Die Gelddrucker heizten zwar die Exporte der Länder mit solider Währung an. Diese erhielten für ihre Erlöse aber nicht mehr den Gegenwert ihrer Leistungen.

Die USA nützten ihre Position im IWF. Von Anfang an wurde der Dollar überbewertet. Da außerhalb der USA kaum etwas für den Weltmarkt produziert werden konnte, mußten für US-Waren überhöhte Preise bezahlt werden. Andererseits konnten die USA und ihre Bürger überall in der Welt verbilligt einkaufen. Da es dort aber meist keine Güter zu kaufen gab, wurden Grundstücke, Firmen, Lizenzen, Erfindungen, Lagerstätten von Bodenschätzen und dergleichen weit unter Preis erworben und zwar auf Kosten der Steuerzahler der geplünderten Länder. Schon bald hatten sich bei den Notenbanken überall in der Welt riesige Dollarbestände als sogenannte Währungsreserven – in Wahrheit aber zinslose Kredite an die USA – angesammelt. Entsprechend den Einkäufen und den Militärhilfen an Kompradoren im Ausland wuchs trotz der hervorragenden Ausgangsposition der USA deren Zahlungsbilanzdefizit schon bald. Das Defizit wurde vom Ausland gedeckt, daß die zusätzlich gedruckten Dollars aufnehmen mußte. Ab 1971 war die Aufnahmefähigkeit der Welt für diese Dollars erschöpft.

Die willkürliche Festlegung des Goldpreises diente einem ähnlichen Zweck. Der künstlich niedrige Goldpreis führte dazu, daß die Goldproduktion rasch zurückging. Wurden vor dem Krieg weltweit jährlich durchschnittlich 36 Millionen Unzen hergestellt, so zwischen 1946 – 50 nur noch 23 Millionen. Das trieb den Goldpreis auf dem schwarzen Markt hoch. In Bombay wurde 1948 bereits 82 Dollar pro Unze bezahlt, in Macao bis zu 75 und in Beirut 60. Nun hatten sich die USA verpflichtet Banknoten zu 40 % und Sichteinlagen bis zu 35 % mit Gold zu decken. Das ließ sich bei der Dollardruckerei nicht aufrechterhalten. Schon 1945 wurde klammheimlich die Deckung auf je 25 % herabgesetzt. 1949 ging alles in den USA vorhandene Gold für die Deckung der nationalen Währung drauf. Still und heimlich wurde 1950 die Deckung der Sichteinlagen aufgehoben. Dieser Prozess der schleichenden Geldentwertung schritt kontinuierlich fort.

Die Dollar- und Währungspolitik stand in den folgenden Jahren im Zentrum imperialer Machtausübung. Diese hatte zwar FDR nicht mehr zu verantworten, weil er vorher schon gestorben war, aber er hat für die Wall Street dieses mit der Gründung der FED 1913 geschmiedete Instrument zum Instrument imperialer Weltherrschaft ausgebaut. Die Globalisierung, welche die letzten nationalen Widerstände gegen Machtausübung der Weltfinanz niederlegt, nämlich den Schutz der eigenen arbeitenden Bevölkerung, bringt diese Entwicklung zu ihrer logischen Vollendung.

Das Ende der Demokratie

Die ungeheuren Opfer des Zeiten Weltkriegs wurden der Bevölkerung zur „Rettung der Demokratie" abverlangt. Tatsächlich ist die Demokratie dabei auf der Strecke geblieben. Ein wesentlicher Grund waren Agitation und Wahlwerbung FDRs. Zwar wurde schon vor FDR mit viel Rummel und Tamtam Wahlkampf betrieben. FDR hat aber die bewußte Irreführung, Manipulation und Desinformation der Masse zum politischen Instrument gemacht.

Das Beispiel dafür sind seine wiederholten Beteuerungen, das amerikanische Volk nicht in den europäischen Krieg hineinführen zu wollen. Er gewann damit Wahlen, während er zielstrebig diesen Krieg anstrebte und sogar nach Maßgabe des Völkerrechts vor Kriegseintritt schon führte. Ausdruck seines „demokratischen" Zynismus ist der Pearl Harbor Effekt. Er hat dadurch, daß er die Informationen über den japanischen Angriff unterschlug, zu Manipulationszwecken der Bevölkerung bewußt das Leben eigener Soldaten geopfert, um durch die Entrüstung über den lange mit aufwendigen diplomatischen Tricks provozierten Angriff den Widerstand der Bevölkerung gegen die Teilnahme am europäischen Krieg zu brechen.

FDR und seine Psycho-Sozio-Klempner stehen am Anfang einer Entwicklung, die inzwischen weit über ihre Vorstellungen hinaus gediehen ist, nämlich die Demokratie in ihr Gegenteil, die sogenannte Massendemokratie zu verkehren. In der Massendemokratie wird nicht mehr um die künftigen Geschicke des Gemeinwesens mit Vernunftgründen in der parlamentarischen oder öffentlichen Diskussion gerungen. Wo Bürger derartige Vorstellungen ins Gespräch bringen wollen, wird die Diskussion systematisch unterdrückt. Bei den Wahlen geht es nur noch um eine scheinbare Zustimmung der Bevölkerung zu der von der Finanzelite verordneten Politik und die Auswahl der populärsten Repräsentanten der Politik. Das Wahlvolk gibt demjenigen Preis und Amt, der die sozio-psychologische Manipulation am besten beherrscht, der das Volk am gekonntesten an der Nase herumführt, es am „glaubwürdigsten" zu belügen versteht.

Daß die Wahlbeteiligung über die Jahre sinkt, ist zwar zum großen Teil ein Zeichen für das Desinteresse der Bevölkerung an dem allgemeinen Geschick und ihrer aus Ohnmacht resultierenden Unkenntnis. Fehlende Wahlbeteiligung könnte inzwischen aber auch Ausdruck eines verbliebenen Rests der Moral der Menschen sein, die angeekelt von der medialen Desinformation sich zu schade sind, dieses unwürdige Lügenspiel weiterhin mitzuspielen. Sie ziehen damit auch den Schluß aus der Tatsache, daß der Wechsel der Amtsinhaber an der von der Elite verhängten Politik allenfalls die Verpackung ändert.

1 So in der Anweisung FDRs an seine Stabschefs vom 23.12.1942, die ausarbeiten sollten, wie sich eine internationale Weltpolizeistreitmacht errichten und einführen läßt. Dirk Bavendam Roosevelts Krieg, amerikanische Politik und Strategie 1937 – 1945 München Herbig 1998 (ed.2) S. 240

2 Samuel J. Rosenman(ed) The Public Papers and Adresses of Fraanklin Delano Roosevelt, New York 1938ff Band 1942 S. 475

3 Hans Adolf Jacobsen, Der Weg zur Teilung der Welt. Politik und Strategie 1939 – 1945, Koblenz/Bonn 1977 S. 157

4 Fletcher Pratt: U.S.A.: The Aggressor Nation, in: American Mercury Vol 45 Dez. 1938 p 394 ff

5 Hierzu etwa Charles A. Beard, The Idea of National Interest. An Analythical Study in American Foreign Politics, Chicago 1934

6 Das gilt natürlich auch nur ideologisch und nicht wirklich, wie man an den „jellow ribbons" und ähnlichem sehen konnte.

7 Zur Veranschaulichung ein einfaches Beispiel. Die Wikinger des 7. Jahrhunderts (die Vorgänger der normannischen Oberschicht Englands) waren „Händler". Die „terms of trade" bestimmte das Angriffs- und Verteidigungsrisiko. Die Preise konnten demnach zwischen Null und Unendlich schwanken, je nach Verteidungsbereitschaft der jeweiligen Stadt und dem Angriffspotential der Handelsflotte. In der Regel einigte man sich „vernünftiger" Weise auf einen Mittelwert. Auf ähnliche Weise dürfte noch 1856 ein Preisverhältnis ausgehandelt worden sein, als die US-Flotte Japan „öffnete". Die Volkswirtschaftslehren von Smith bis Marx vernebeln dieses ökonomische Grundverhältnis, in dem sie das Militär zu den „verlorenen Kosten" zählen. Unter modernen Bedingungen der Manipulationsdemokratie sind die Verhältnisse natürlich reichlich komplizierter aber nicht grundsätzlich anders. Sie sind vielleicht das letzte noch aufrechterhaltende Tabu dieser Gesellschaft.

8 Dazu mehr Burkhard Schöbener, Die amerikanische Besatzungspolitik und das Völkerrecht, Bd. 45 der Schriften zum Staats und Völkerrecht, Frankfurt Bern 1991. Deutlichstes Beispiel ist der Einsatz der Atombombe, um damit außenpolitische Ziele gegen Rußland zu verfolgen.

9 Hierfür ist vor allem der Widerspruch zwischen Roosevelts immer wieder in der Wahlkampfpropaganda vorgetragene Wunsch, das amerikanische Volk aus dem europäischen Krieg herauszuhalten und seine zielstrebigen Bemühung, eben dies zu erreichen, typisch. Hierzu der Beitrag von William Henry Chamberlin in: Harry Elmer Barnes (ed), Perpetual War for Perpetual Peace, Cadwell Caxton Printers 1961. Zu Pearl Harbor gibt es seit George Morgenstern, Pearl Harbor – The Story of the Secrete War aus dem Jahr 1947 eine umfassende Literatur mit recht eindeutigem Ergebnis.

10 Elliot Roosevelt, James Brough, An Untold Story, The Roosevelts of Hyde Park, New York G.P. Putnam’s Sons 1973

11 Robert Dallek, Franklin Delano Roosevelt and American Foreign Policy 1932 – 1945, New York 1979 S. 5

12 Joseph Lash, Roosevelt and Churchill 1939 – 1941. The Partnership that Saved the West, New York 1976 S. 45, dort die für Roosevelts strategisches Denken entscheidenden Auszüge aus dem Schreiben Mahans vom 13. 8. 1914

13 So sieht es jedenfalls FDRs zeitweiliger Schwiegersohn Curtis B. Dall, Amerikas Kriegspolitik – Roosevelt und seine Hintermänner, Tübingen Grabert 1972

14 Clinton Roosevelt, The Science of Government Founded on Natural Law, New York Dean & Trevett 1841

15 Seither ist Marktwirtschaft im wesentlichen „Verknappungswirtschaft" oder „Knappheit sichernde Wirtschaft" mit grundlegenden wirtschafts- und „umwelt"-theoretischen Auswirkungen, auf die hier nicht einzugehen ist.

16 Eduard A. File, Successful Living in this Machine Age, New York Simon & Schuster 1932, besonders auch S. 269

17 Anthony C. Sutton, Wall Street and FDR, New York Arlington House 1975

18 Dallek, Robert: Franklin Delano Roosvelt and American Foreign Policy 1932 – 1945, Cambridge 1975. S. 6

19 Mahan gab Roosevelt in einem persönlichen Schreiben folgende bezeichnende politische Weisung, die jener zeitlebens berücksichtig hat: „Deutschlands Prozedur besteht darin, seine Gegner durch konzentrierte Vorbereitung und ungestüme Tatkraft schlagartig zu übverwältigen. (...) Sollten die Deutschen Frankreich und Rußland zu Lande besiegen, würden sie eine Atempause gewinnen, die sie in die Lage versetzten könnte, eine Seemacht wie die Englands aufzubauen. In diesem Fall würde die Welt einer Seemacht nicht vom Zuschnitt Großbritanniens, das territorial zufriedengestellt ist, gegenüberstehen, sondern einer voll gierigen und expansiven Ehrgeizes. (...) Diese Erwägung mag gut und gerne die amerikanischen Sympathien beeinflussen". Joseph Lash, Roosevelt and Churchil 1939 – 1941. The Partnership that Saved the West, New York 1976 S. 45, ist der Brief Mahans vom 13.8.1914 (!) angedruckt. Er liefert einen besseren Grund für FDRs Deutschlandfeindschaft als der vielzitierte kurze Aufenthalt FDRs im Gymnasium Bad Nauheim.

20 Homer Lea, Des britischen Reiches Schicksalsstunde, Mahnwort eines Angelsachsens, aus dem Englischen von Graf E. Reventlow, Berlin Mittler & Sohn 1913, Derselbe. Die Stunde der Angelsachsen, aus dem englischen von M. de Planelles, Bern Die Heimkehr 1946

21 Samuel J. Rosenman, The Public Papers and Adresses of Franklin Delano Roosevelt, New York 1938 ff Band 1943, S. 39, auf einer Pressekonferenz vom 24.1.43. Er war der Überzeugung „daß die deutsche Philosophie nicht durch Dekret, Gesetz oder militärische Ordnung geändert werden kann. Eine Veränderung der deutschen Philosophie hat evolutionär zu sein und mag zwei Generationen in Anspruch nehmen" Maurice Matloff, Edwin M. Snell, United States Army in World War II Strategic Planing for Coalition Warfare 1943 – 1944. Washington DC 1959 S. 432. Vortrag FDR am 1.4.44 vor dem Alliierten Oberkommando, wo es um die nachhaltige Umerziehung und Umprogrammierung der Deutschen „auf allen Gebieten" ging. Damals war er ausdrücklich! nicht „gewillt zu sagen, wir beabsichtigen nicht, die deutsche Nation zu zerstören". Denn „Deutschland" galt ihm als „Inbegriff des Nationalismus", den es „auszumerzen" galt. Dieses Programm zur Vernichtung „des barbarischen und rücksichtslosen Charakters" der Deutschen äußerte er schon auf einer Pressekonferenz am 22.8.1941, W. Lacqueur, The Terrible Secret, London 1980 S. 95.

22 F.D.Roosevelt, Blick vorwärts, Berlin 1933 S. 217.

23 Praktischer Grund für die Zurückhaltung der USA war ihr militärisches Engagement in Mexiko 1914 und die Annexion Haitis 1915. Wichtiger war der ideologische: „’Ich werde Ihnen etwas sagen, was ich öffentlich nicht sagen kann’, fuhr Wilson seinen jungen Minister 1915 unter vier Augen an, als er nach dem Haiti- Abenteuer gleich gegen Deutschland ziehen wollte. ‘Ich möchte vor der Geschichte zeigen, daß wir jedes diplomatische Mittel angewandt haben, um uns aus dem Krieg herauszuhalten.’" Nach Richard Hough, The Greatest Crusade. Roosevelt, Chruchill and the Naval Wars. New York 1986 S. 103. Das hielt ihn aber nicht davon ab, unter dem Schein der Friedfertigkeit, alles zu versuchen, um spätestens dann, als der militärische Sieg der Allierten 1917 in Gefahr geriet, den Krieg zu provozieren. Wilson hat dies in späteren Senatshearings eingestanden und dafür wirtschaftliche Gründe und Interessen verantwortlich gemacht. Eine Offenheit, die FDR von Wilson nicht mit dem Ratschlag übernommen hat.

24 James McGregor Burns, The Lion and the Fox, New York 1956

25 Hough aaO. S.8 und Burns aaO. S. 60

26 Elliot Roosevelt (ed) FDR, His Personal Letters, New York 1947 ff S. 1255 f. Die von Grace Tully für seinen Pressesprecher Steve Early diktierten Notizen vom 11.12. 1941 27 Dirk Bavendamm, Roosevelts Weg zum Krieg. Amerikanische Politik 1914 bis 1939; München Ullstein 1989, S. 57 f

28 James Roosevelt, My Parents A Differing View, London 1977, S. 85.

29 Hugh S. Johnson: The Blue Eagle – from Egg to Earth, New York Doubleday Doran 1935 S. 116

30 Herbert Hoover: The Memoirs of Herbert Hoover: The Great Depression 1929 – 1941, New York McMillan 1952 S. 420.

31 Murray Rothbard In: New Individualist Review, Winter 1966

32 Hugh S. Johnson, The Blue Eagle, aaO, S. 140

33 Frank Freidel, Franklin D. Roosevelt – The Ordeal, Boston Little Brown & Co, 1952 p 172, und James Farley, Behind the Ballots – The Personal History of a Politician, New York Harcourt, Brace & Co. 1938

34 Richard Hofstadter, Anti-Intellectualismus in American Life, London 1964. Diese besondere Intellektuellenhilfe des New Deal soll nach Hofstadt für den seither in den USA latent vorhandenen Antiintellektualismus verantwortlich sein.

35 Es waren dies die Schüler von Felix Frankfurter von der Harvard Universität. Felix Frankfurter, Reminiscences, Garden City 1962. Sie waren geistige Enkel von Bundesrichter Louis Brandeis, dessen Liberalismus zwar das New Deal 1 zu Fall gebracht hatte, dafür aber das New Deal 2 bestimmte. Seine Buchtitel „Others People’s Money and How the Bankers Use It", New York 1914, und „The Curse of Bigness", New York 1934, sind vielsagend. Brandes war 1917 von Wilson gegen großen Widerstand und mit viel Geschrei zum Bundesrichter gemacht worden.

36 Völkerbund, Statistical Yearbook of the Trade of Arms, Genf 1937

37 Über die „isolationistischen" Äußerungen FDRs zusammenfassend: Frederic R. Sanborn, Design for War, New York Devin Adair 1951 S. 7-19

38 Foreign Relations of the United States, The Sowjet Union 1933 – 1939, Washington DC 1952 Ss 291-294, 520 – 527, 544 – 547, 548 – 550.

39 Roosevelt im Kabinett kurz nach seiner Quarantänerede zitiert von seinem Innenminister. Harold L. Ickes, The Secret Diary of Harold L. Ickes, New York 1954, Vol 2, S.737, Das zweite Zitat Ickes Vol 2, S. 272

40 Karlheinz Deschner, Der Moloch, eine kritische Geschichte der USA, München Heyne 1992, S. 231-234

41 So sah es US Senator Hamilton Fish, Der zerbrochene Mythos – F.D. Roosevelts Kriegspolitik 1933-1945, Tübingen 1961 S. 11 und Frederic R. Sanborn in: Perpetual War for Perpetual Peace, Cadwell Caxton Printers 1961

42 Edwin P. Hoyt, War in Europe – Blitzkrieg Bd. 1, New York Avons Books 1991 S. 79; ders. Hitler’s War – A Da Capo, New York 1988, S. 93f

43 Winston Churchill, The Gathering Storm, Boston Houghton Mifflin 1948 S. 247 und Cordon Hull, Memoirs, Vol. 1, New York Macmillen 1948, S. 548 und S. 573

44 Nach dem Urteil des Nürnberger Gerichts war keine Verschwörung nachzuweisen. 6. Federal Rules Decision S. 111-112 vgl. auch Hearings Before the Joint Comittee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack, 79. Congr. 2. Sitzung Teil 9, S. 4272 – 4276.

45 Dirk Bavendamm, Roosevelts Weg zum Krieg. Amerikanische Politik 1914 bis 1939, München Ullstein 1989, S. 122f

46 New York Times vom 24.10.1947 S. 1, Spalte 2-3

47 New York Times 18.11.38 S. 1, 12 und 13. Hinweise auf den eigentlichen Charakter der Absprachen finden sich in dem „deutschen Weißbuch"des Auswärtigen Amtes in Berlin, das 1940 in Polen erbeutete Dokumente veröffentlichte. Es wurde nach dem Zusammenbruch beschlagnahmt, die Echtheit lange bestritten. Dazu Gerüchte, die ein persönlicher Freund FDRs, der US-Marineattachee in Lissabon, ausstreute und FDR am 9.9.38 zu einem Dementi veranlaßten. Siehe Sanborn in: Perpetual war, aaO

48 Paul Rassnier, Das Jahrhundert der Provokation, Wie Deutschland in den 2. Weltkrieg getrieben wurde, Tübingen Grabbert, (ed3) 1998 S. 239 und 348

49 Im Gespräch mit dem engl. Botschafter Lindsay am 19.9.38 in: Public Record Office London: Foreign Office, politische Akten 371/21257 A 7504

50 Nazi Conspiracy and Aggression, Washington DC Gov. Printing Off. 1946 I. S. 525

51 Hans Bernd Gisevius, Bis zum bitteren Ende, (Zürich Fretz & Wasmuth 1946) Boston Houghton Mifflin 1947, S. 324; zu den ganzen Vorgängen Churchill, the Gathering Storm aaO. S.314

52 Hellmuth G. Dahms, Roosevelt und der Krieg – Die Vorgeschichte von Pearl Harbor, München Oldenbourg 1958 S. 20 f

53 US-General Henry H. Arnold, Global Mission, New York Harper & Broth. 1949. S. 177ff

54 Robert E. Sherwood, Roosevelt and Hopkins – an Intimate History, New York Harper & Broth., 1948 S. 100 f

55 Jean Monnet, Erinnerungen eines Europäers, München Wien 1978 S. 153

56 Sanborn, Design for War, aaO., S. 55

57 nach W.L. Langer, S. Gleason, The Challange to Isolation 1937 – 1940, New York 1952

58 So jedenfalls berichtet Graf Jersy Potocki am 21.11.38 an Oberst Beck in Warshau über seine Gespräche in den USA vor allem mit Bullit aber auch mit Morgenthau Monnet und JF.Dulles.Nach Dirk Bavendamm, Roosevelts Weg zum Krieg. Amerikanische Politik 1914 bis 1939; München Ullstein 1989, S. 411 ff

59 Public Recording Office / Foreign Office (PRO / FO) 371/22961 C 271 318/ C617

60 Auf Veranlassung des deutschen Botschafters Dr. Weber erfolgte die Beaumont Nesbitt Depesche am 24.1.39 PRO FO 371/22962 C 1194: In ihr wird betont, daß Hitler nichts gegen den Westen im Schilde führe, dafür gar nicht in der Lage sei.

61 Raymond Moley, After Seven Years, New York Harper & Broth. 1939, S. 382

62 C. Hartley Grattan (ed), The German White Paper: Full Text of Polish Dokuments, Issued by Berlin Foreign Office, New York Howell, Soscin & Co. 1940. Das waren die Dokumente, die, wie erwähnt, deutschen Truppen in Warshau in die Hände gefallen waren und das Außenministerium in Berlin 1939 als Weißbuch veröffentlichte. Die Originaldokumente wurden von den Allierten nach dem Krieg beschlagnahmt und verschiedentlich als Fälschung ausgegeben. Charles Callan Tansill berichtet in seinem Beitrag zu Perpetual War for Perpetual Peace aaO., daß der polnische Botschafter Lipsky ihm in einem Gespräch 1961 gesagt habe, daß die Dokumente authentisch seien. Als Zeugen des Gesprächs nennt er seinen Kollegen Dr. Jan Karsky von der George Town Univeristät.

63 Walter Millis (ed), The Forrestal Diaries, New York Viking Press 1951, S. 121f

64 Die Belege dafür bei Dirk Bavendam, Roosevelts Weg zum Krieg aaO. S. 163

65 Rassnier aaO S. 230

66 George Bonnet, Fin d’une Europe, de Munich à la Guerre, Genf 1948, S. 254-257

67 Vor allem der Leiter der Britischen Militärdelegation Admiral Drax machte daraus kein Hehl. British Foreign Policy Bd.7 Nr. 30, 34, 38

68 A.J.P. Taylor The Origins of the Second World War, London 1961 S. 240 Er hielt die Verhandlungsführung seitens Halifax für so „unfähig, daß man zu der Annahme gezwungen sei, daß er an einem Abkommen garnicht interessiert gewesen sei".

69 gleiche Quelle Nr. 52, 60, 64.

70 C. Hartley Grattan (ed), The German White Paper aaO.

71 Harry Elmar Barnes, Entlarvte Heuchelei, Revision der amerikanischen Geschichtsschreibung, Wiesbaden Priester 1961 S. 17

72 Botschafter Potocki hat die Authentizität dieser Papiere und Dokumente bestätigt, William Henry Chamberlin, Amerikas zweiter Kreuzzug – Kriegspolitik und Fehlschlag Roosevelts, Bonn Athenäum 1952 S. 41f

73 Hearings on Pearl Habor Attack aaO. Part XX S. 4139

74 Hearings on Pearl Habor Attack aaO. Part XX S. 4168. In seinen Memoiren behauptete Hull dann allerdings, daß er dem Angebot „mehr als septisch" gegenübergestanden habe: The Memoirs of Cordell Hull, aaO, Bd I, S. 631

75 Foreign Relations of the US, 1939 I 293

76 an gleicher Stelle 296-298 und 302f

77 Bavendamm R Weg zum Krieg aa0 S. 416

78 Hans von Herwarth, Zwischen Hitler und Stalin – erlebte Zeitgeschichte 1931 – 1945, Frankfurt Berlin Wien 1982 und Charles E. Bohlen, Witness to History 1929 – 1969 New York 1973

79 PRO FO 371/22965 C 2242 Henderson 22.2.39

80 British Foreign Policy III Bd. 7 Nr. 248-250, vor allem 287 und 288

81 OCS Conf. Binder 1. Emergency Measures 1939 – 1940 Report Generalmajor Arnold über eine Konferenzm im Weißenhaus vom 14.11.38 (Bavendamm Roosevelts Krieg 1939-1944, München Herbig (ed 2), 1998, S. 219)

82 US Dep. Of State Peace S. 6112-6118, Zeugnis Hull vor dem Außenpolit. Ausschuß des Repräsentanten Hauses am 15.1. ’41, in dem er die Herrschaft über die Weltmeere als Grundlage der US-Sicherheitspolitik ansah.

83 Stetson Conn, Byron Fairchild, The US Army in World War II – Framework of the Hemisphere Defense, Vol 1, The Western Hemisphere, Washington DC Gov. Print. 1960 S. 11

84 Schöbener Besatzungspolitik aaO S. 47f

85 S. Rosenman, Public Papers aaO. Vol. 1942 S. 475

86 Dirk Bavendamm, Roosevelts Krieg S. 240 und William Louis Imperialism at Bay 1941 – 1945 – The US and the Decolonisation of the British Empire, Oxford 1977, S. 259

87 Louis Imperialism aaO. S. 272

88 Michael S.Sherry, Preparing for the Next War – American Plans for Postwar Defense 1941 – 1945, New Haven 1977

89 Martin J. Sherwin, A World Destroyed – The Atomic Bomb and the Grand Alliance, New York 1975 Kap. 3

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